Hamburg - Der Höhenflug seiner Mannschaft hält an, doch der Trainer stapelt weiter tief. Selbst die meisterliche Bilanz des VfL Wolfsburg mit zehn Siegen in Serie lockte Felix Magath nicht aus der Reserve. "Wenn es der DFB erlauben würde, würde ich Geld auf den FC Bayern setzen", sagte der Fußball-Lehrer nach dem glücklichen 2:1 seiner Mannschaft über Bayer Leverkusen. Anders als Magath ging Jürgen Klinsmann in die verbale Offensive.
Beflügelt vom 1:0 bei Arminia Bielefeld, mit dem ihm weitere Schlagzeilen um das nahe Ende seiner Mission in München vorerst erspart blieben, versprach er den zuletzt verstimmten Bayern-Fans den Titel: "Wir wollen deutscher Meister werden und wir werden deutscher Meister." Hinter Wolfsburg (57 Punkte) und den Bayern (54) liegt der Hamburger SV nach dem 2:1 am Sonntag gegen Hannover 96 punktgleich mit dem Titelverteidiger aus München an Position drei. Maßgeblich Mladen Petric (2./52. Minute) sorgte dafür, dass der "Tanz auf drei Hochzeiten" für den UEFA-Cup- und DFB-Pokal-Halbfinalisten andauert.
Hertha BSC beendete mit dem 2:1 gegen Werder Bremen, am Mittwoch Gast des HSV im DFB-Pokal und im UEFA-Cup ebenfalls HSV-Konkurrent, seine Serie von drei Niederlagen und ist Vierter (52) vor dem VfB Stuttgart (51). Raffael (89.) erlöste die Hertha in der 89. Minute mit dem Siegtreffer. Nach dem 1:0 von Luca Toni in Bielefeld entlud sich bei Bayern- Trainer Klinsmann und Manager Uli Hoeneß die Anspannung. Erleichtert fielen sich die Leidensgenossen in die Arme. Zehn Tage nach der 0:4-Schmach von Barcelona gewannen die Münchner auch das zweite Bundesliga-"Endspiel" um den Verbleib des Trainers.
Obwohl der Abstand zu Wolfsburg weiterhin drei Punkte beträgt, erklärte Hoeneß die Bayern zum Sieger im Fernduell mit dem Spitzenreiter: "Wir haben wieder ein Auswärtsspiel mehr gemacht, Wolfsburg ein Heimspiel - insofern sind unsere Meisterchancen ein klein bisschen größer geworden." Doch ohne Schützenhilfe bleibt die erste Saison-Tabellenführung des Rekordmeisters weiterhin ein Traum. Zwei Tore des Erfolgsgaranten Grafite ebneten den Weg zum Erfolg der Wolfsburger, die den Rekord von Borussia Mönchengladbach mit zehn Saisonsiegen in Serie aus dem Jahr 1987 einstellten.
Der Matchwinner aus Brasilien, der die Torjägerliste mit 22 Treffern anführt, äußerte sich ähnlich zurückhaltend wie sein Trainer: "Unser Ziel vor der Saison war der UEFA-Cup. Wenn wir den wieder erreichen, sind wir alle glücklich." Gut möglich, dass Stuttgart den Bayern Schützenhilfe leistet. Die Schwaben empfangen am 31. Spieltag Wolfsburg. Dieses Duell könnte für die Norddeutschen zur Reifeprüfung werden. Denn der VfB liebäugelt nach zuletzt vier Siegen selbst mit dem Titel.
Die Mario-Gomez-Gala von Köln, bei der der Angreifer alle drei Treffer zum 3:0 erzielte, beförderte das Babbel-Team endgültig in den Spitzenkreis. "Daran denkt man schon, die Erinnerungen sind ja noch frisch", sagte Sportdirektor Horst Heldt mit Bezug auf den erfolgreichen Endspurt des VfB im Meisterjahr 2007. So oder so werden die Stuttgarter die Meisterschaft entscheidend beeinflussen. Denn nur drei Spieltage nach dem Duell mit Wolfsburg treffen sie auf die Bayern. Ebenso spannend wie der Kampf um die Schale ist der Kampf um die Plätze in der neuen Europa League. Sowohl die Schalker, die unter der Regie der Interimstrainer Büskens/Mulder/Reck beim 4:0 über Cottbus den dritten Sieg seit dem Rauswurf von Fred Rutten landeten, als auch Borussia Dortmund melden Ansprüche an.
Der Borussia glückte beim 2:0 in Bochum der vierte Erfolg nacheinander. Beide Revierclubs zogen in der Tabelle an Herbstmeister 1899 Hoffenheim vorbei, der bei Schlusslicht Karlsruher SC nicht über ein 2:2 hinauskam. Die Kellerkinder blieben am 28. Spieltag sieglos. Zwar hielten Sebastian Freis und Giovanni Federico mit den ersten Treffern für Schlusslicht Karlsruhe (19 Punkte) seit zehn Wochen die Mini- Hoffnungen auf den Klassenverbleib am Leben, doch die Gunst der Stunde blieb ungenutzt. Schließlich gingen neben Cottbus (23) und Bielefeld (24) auch die Mönchengladbacher (23) leer aus.