Im Internet wird Blutbad in Ludwig-Heyd-Schule und Ermordung von Bürgermeister Kürner angekündigt
In einem Internet-Blog ist ein Amoklauf an der Markgröninger Ludwig-Heyd-Schule angekündigt worden. Auch mit der Ermordung von Bürgermeister Rudolf Kürner wird gedroht. Die Polizei sieht aber "keine akute Gefahrenlage".
Als Urheber der Todesdrohungen hat die Polizei einen 18-jährigen Straftäter im Verdacht. Der junge Mann war in der Woche vor Ostern mit seiner Familie aus dem Landkreis Ludwigsburg in das Kosovo abgeschoben worden. Der angekündigte Amoklauf wird in Markgröningen deshalb durchaus als Racheakt aufgefasst. "Da wollte uns einer zum Abschied noch mal einen Schreck einjagen", heißt es in der 15500 Einwohner zählenden Stadt.
Nach Recherchen von Internet-Nutzern stammt die dubiose Drohung mit dem Amoklauf von einem Rechner in der Kosovo-Hauptstadt Pristina. Spekuliert wird im Netz, dass es sich um einen Computer in einem Internetcafé handelt. Die Polizei prüft die Spur derzeit noch - ob der Eintrag tatsächlich aus dem Kosovo abgeschickt worden ist oder die IP-Adresse des PC über ein Tarnprogramm verschleiert wurde, haben die Ermittler noch nicht geklärt. "Wir vermuten natürlich einen Zusammenhang mit der Abschiebung", erklärte Ludwigsburgs Polizeisprecher Peter Widenhorn am Freitag auf Nachfrage unserer Zeitung.
Unter dem Decknamen "Albaboss" sind die Todesdrohungen am Montagabend in einem rechtsgerichteten Internet-Blog aufgetaucht - als Reaktion auf einen Artikel über Randale beim Schäferlauf im Sommer 2008. Binnen weniger Minuten liefen auf der Homepage insgesamt acht Botschaften mit ein und derselben IP-Nummer ein.
Neben dem Amoklauf in der Ludwig-Heyd-Schule kündigte der Autor die Ermordung von Rathauschef Rudolf Kürner und einen "Terroranschlag in der Finstergasse" an - dort hat in Markgröningen der örtliche Polizeiposten seinen Sitz.
Am Dienstagmorgen setzten sich die Ermittler noch vor Schulbeginn mit Erich Hutflus, Rektor der Ludwig-Heyd-Schule, in Verbindung. "Die Polizei hat die Schule mit Zivilstreifen überwacht, kam aber zu dem Schluss, dass keine akute Gefährdung besteht", schildert der 54-jährige Pädagoge. Sein Kollegium rief Hutflus dennoch zu erhöhter Vorsicht auf. Die Klassenlehrer sollten das Thema im Unterricht altersgerecht ansprechen. Die nach dem Pfarrer und Geschichtskundler Ludwig Heyd (1792-1842) benannte Bildungseinrichtung am Rand der Altstadt ist eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule und hat derzeit 375 Schüler. Der mit seiner Familie als Bürgerkriegsflüchtling nach Deutschland gekommene junge Mann war vor zwei Jahren von Hutflus von der Schule verwiesen worden, weil er "mehrfach Kinder erpresst hatte und sich im Unterricht nicht benehmen konnte".
Nach dem Rausschmiss entwickelte sich der Heranwachsende zum polizeibekannten Kopf einer Jugendbande, die durch Sachbeschädigungen und Ruhestörung auffiel. Immer wieder pöbelte die Clique in der Markgröninger Altstadt auch Passanten an - wenn Anwohner die Polizei um Hilfe riefen, flüchteten die Störenfriede regelmäßig ins Wohnhaus im Lohrmanngässle. Weil der Vater verstorben und die Mutter auch aus Angst vor der drohenden Abschiebung häufig abwesend war, entwickelte sich das Anwesen als Anlaufstelle für jugendliche Straftäter. Der ältere Bruder des 18-Jährigen sitzt wegen Gewaltdelikten in Stammheim, auch die jüngeren Geschwister gelten bei der Polizei als Intensivtäter.
"Er hat wohl ganz allgemein einen Hass auf Markgröningen entwickelt", sagt Rektor Erich Hutflus über den ehemaligen Schüler. In einem Brief an die Elternschaft hat der Schulleiter versucht, die Ängste vor einem realen Amoklauf zu entkräften. Einen vergleichbaren Fall hat Hutflus weder in Markgröningen noch an seiner vorherigen Dienststelle in Schwieberdingen erlebt. Allerdings fürchtet der Rektor, dass es nun Nachahmungstäter geben wird.
Rathauschef Rudolf Kürner wollte am Freitag mit Blick auf die laufende Ermittlung keine Stellung zu den Todesdrohungen nehmen. Um die Situation in der Altstadt zu entschärfen, hatte die Stadt schon vor der Abschiebung zugesagt, einen Container als Treffpunkt der örtlichen Jugendlichen aufzustellen. Erst kürzlich beschloss der Gemeinderat, einen mobilen Sozialarbeiter einzustellen. Er soll Kontakt zu den Ruhestörern knüpfen und mäßigend auf sie einwirken. Ein vom Rathaus beauftragter Sicherheitsdienst stellte in jüngster Zeit keine besonderen Vorkommnisse mehr fest.