Botschafter wehrt sich
"Burkina Faso ist keine Steueroase"
08.05.2009 - aktualisiert: 08.05.2009 18:32 Uhr
Der Botschafter von Burkina Faso, Xavier Niodogo, ist verärgert über Per Steinbrück. Der hatte den Eindruck erweckt, das Land sei ein Steuerparadies.
Herr Botschafter, Finanzminister Steinbrück hat die Hauptstadt von Burkina Faso in einem Atemzug mit Steuerparadiesen genannt. Eine Beleidigung für Ihr Land?
Selbstverständlich. Burkina Faso, unsere gesamte Bevölkerung hat diese Äußerung sehr übel genommen. Der Vergleich unserer Nation mit Steueroasen kam für uns zudem überaus überraschend. Es hat uns auch ein wenig wütend gemacht. Schließlich pflegt die Regierung von Burkina seit Jahren exzellente Beziehungen mit Deutschland. Die deutsche Regierung hat bei Kontakten auf höchster Ebene auch immer wieder gelobt, wie transparent unser Bankensystem aufgestellt ist.
Haben Sie Ihren Unmut gegenüber der Bundesregierung zum Ausdruck gebracht?
Als ich die Äußerungen vernommen habe, habe ich den Kontakt zur Bundesregierung gesucht. Ich wurde im Finanzministerium empfangen. Dort wurde mir versichert, der Minister bedauere sehr, dass seine Äußerungen missverständlich gewesen seien. Er wisse sehr genau, dass er unserem Land nichts vorwerfen könne, was den Finanzmarkt angeht.
Ist Ihr Heimatland mit Luxemburg, Liechtenstein und Österreich zu vergleichen?
Burkina Faso macht da der Staatengemeinschaft überhaupt keine Probleme. Ich halte fest: Burkina steht nicht auf einer schwarzen Liste der OECD. Wir sind kein Steuerparadies. Wir haben ein gut funktionierendes Bankensystem, sind Mitglied in der westafrikanischen Währungsunion. Wir haben eine Bankenkommission, die die Banken überwacht und insbesondere das Problem der Geldwäsche streng verfolgt. Unser Finanzmarkt ist überaus transparent, was uns immer wieder auch von den deutschen versichert wurde. Umso schockierter waren wir über die Äußerungen des Ministers.
Markus Grabitz, Berlin