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Interview

Hoffen aufs zweite Halbjahr

10.05.2009 - aktualisiert: 10.05.2009 19:26 Uhr

Ulrich Bode
Ulrich Bode
Foto: privat

IT-Freiberufler spüren Krise
 

Stuttgart - Die Wirtschaftskrise hat auch die Branche der Informationstechnologie erwischt, die sonst unter einem massiven Fachkräftemangel leidet. Das bekommen auch die freien Mitarbeiter zu spüren, sagt IT-Freelancer Ulrich Bode im Gespräch mit unserer Zeitung. Bode ist stellvertretender Sprecher der Selbstständigen in der Gesellschaft für Informatik (GI).

Frage: Herr Bode, wie schlimm trifft die Krise die IT-Freelancer?

Herr Bode: Noch laufen die Projekte, die Krise schlägt bei uns noch nicht voll durch. Aber wir spüren, dass die große Hitze raus ist. Die Frage wird sein, ob im zweiten Halbjahr noch ausreichend Projekte aufgesetzt werden.

Frage: Bei SAP werden erstmals Stellen gestrichen - ist das die Rettung für die Freien, weil die Projekte trotzdem durchgeführt werden müssen?

Herr Bode: Als allgemeiner Rettungsanker fungiert SAP kaum, da vor allem langjährige Berufserfahrung gebraucht und gut bezahlt wird. Da die Expansion von SAP in Unternehmen nicht mehr so stark ist, werden sich die Honorare in der nächsten Zeit abkühlen. Aber das wäre auch ohne die Krise geschehen.

Frage: In welchen Bereichen sieht es nach wie vor gut aus, und welche Projekte werden abgesagt oder auf Eis gelegt?

Herr Bode: Mittelfristig wird es in den öffentlichen Verwaltungen einen starken Bedarf an externen IT-Dienstleistungen geben, denn sie haben in den 1970er Jahren viele Einstellungen vorgenommen. Diese Generation geht bald in Rente. Ob alle frei werdenden Stellen wieder besetzt werden, ist fraglich. Deshalb könnte sich E-Government zu einem interessanten Arbeitsfeld entwickeln. Allerdings müssen sich die freien Mitarbeiter darauf einstellen, dass Verträge noch kurzfristiger abgeschlossen werden als heute.

Frage: Noch vor kurzem sprach der IT-Dachverband Bitkom von 45.000 offenen IT-Stellen. Wird sich der Fachkräftemangel auch bei den Freien verschärfen?

Herr Bode: Davon gehe ich aus, denn die demografische Entwicklung geht ja auch an den Freelancern nicht vorbei. Auf der anderen Seite gibt es wenig IT-Nachwuchs. Schon heute ist der Markt der IT-Freelancer sehr klein, wenn man ihn mit anderen Freiberuflern wie Ärzten oder Rechtsanwälten vergleicht. Die Schwankungen von Angebot und Nachfrage in diesem Markt werden sich weiter verstärken.

Frage: Wie kommen Sie in schlechten Zeiten an neue Kunden? Ist Zeitarbeit eine Alternative?

Herr Bode: Die Direktansprache der Kunden ist natürlich am besten, denn einerseits schafft man sich dadurch eine stabile Basis, zum anderen gibt es keine Zwischenstellen, die das Honorar für die Kunden erhöhen, sondern die Preise werden direkt ausgehandelt. Wer allerdings nicht so gut mit Kunden umgehen kann, ist bei Vermittlern besser aufgehoben. Es gibt auch viele Kunden, bei denen man ohne Vermittler gar nicht reinkommt.

Frage: Ist Freiberuflichkeit ein knallharter Kampf um Aufträge, oder unterstützt man sich gegenseitig?

Herr Bode: Ich beobachte den Trend, dass sich Freelancer zusammenschließen, um größere Projekte zu bewältigen, die sie allein nicht schaffen würden. Aber eine solche Gruppe braucht Mitarbeiter für den Vertrieb und das Marketing. Das muss man bei den Honoraren berücksichtigen.
 

StZ/StN