Uni Stuttgart

Streichorchester mit Misstönen

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07.06.2009 22:47
Autor: Torsten Werner

Die Stuttgarter Hochschule ist ein exaktes Spiegelbild unserer globalen Technologiegesellschaft. Und dies ist nicht als Lob zu verstehen. Die Uni-Aktivitäten in den Ingenieurwissenschaften zu verstärken und dabei die Geisteswissenschaften langsam vom Teller zu kippen, dies ist der Trend unserer Zeit. Trends machen also auch vor renommierten Universitäten nicht halt. Das Mithecheln um den Technikkuchen hat begonnen. Und Mitmachen zeugte noch nie von Größe, sondern von Einfallslosigkeit, Desorientiertheit und wenig Eigenständigkeit. Deshalb sind Trends und besonders die Teilnahme an Trends als minderwertig und als dumm einzustufen. In diesen Tagen geht es nur noch um Funktionen und die findet man vor allem in Naturwissenschaft und Technik. Alles muss funktionieren, das Fließband bei Porsche, die Kaffeemaschine zu Hause, die U-Bahn, die Frühstücksbrezel und auch der Mensch muss sich dem alltäglichen Funktionsablauf unterordnen. Keine Zeit mehr für ungebundene, funktionslose Gedanken und ungebremste Sprache. Die Welt die uns umgibt wird Tag für Tag mehr funktionalisiert. Keiner freut sich mehr an seiner eigenen individuellen Existenz oder an einem schönen Gedicht. Euphorische Hochgefühle entstehen nur noch durch Konsum wie beim Achterbahnfahren oder nach einer Pille mit Amphetaminen. Dies sind alles Aktivitäten die einer Funktion genügen, der Funktion bitte mache mir jetzt und hier Glücksgefühle, ich werde dafür bezahlen. Es scheint so, als vereinnahmt unser funktionsorientiertes Verhalten jetzt auch die Uni Stuttgart. Neue, freie Gedanken kann diese Konsumgesellschaft kaum noch „produzieren“. An den Hochschulen ist dieser Trend jetzt angekommen. Auf den Stuttgarter Unigebäuden könnte bald „Funktionieren statt Denken!“ stehen. Und warum ? Weil Achterbahnen von Ingeneuren und Ecstasy von Chemikern, aber nicht von Dichtern und Denkern entwickelt wurde!


 

07.06.2009 18:32
Autor: Adrian Lobe

Dass die Geisteswissenschaften an der Universität Stuttgart jahrelang ein Schattendasein fristeten, ist kein Geheimnis. Dass ihnen nun durch eine einseitige Ausrichtung auf naturwissenschaftliche Fakultäten endgültig der Garaus gemacht werden soll, ist ein hochschulpolitischer Skandal.
Rektor Ressel spricht beschönigend von einer "Umwidmung der Professuren", was für Historiker und Philosophen nichts anderes als Kahlschlag bedeutet. Das Humboldtsche Ideal einer universellen Gelehrsamkeit wird hierbei einer irrsinnigen Marktlogik geopfert. Motto: Geld vor Vielfalt. Dabei ist fraglich, ob die Universität überhaupt bei der Verteilung der 18 Milliarden Euro Fördergelder aus dem Hochschulpakt II berücksichtigt wird.
Klar ist, dass der Kulturstandort Stuttgart durch die Umstrukturierung erheblichen Schaden nimmt. Eine Landeshauptstadt mit hoch geachteten Institutionen wie Oper, Staatstheater oder Liederhalle kann es sich nicht erlauben, junge Menschen mit einer zurechtgestutzten Universität in die Flucht zu treiben. Stuttgart sollte vielmehr durch ein qualitativ hochwertiges, breit gefächertes Lehrangebot talentierte Menschen anziehen.


 

06.06.2009 20:59
Autor: Peter Schild

Universitas adieu! Die "Exmatrikulation" von Geisteswissenschaften entspringt genau jenem kurzfristigen und kurzsichtigen Effizienz- und Rentabilitätsdenken, das uns in der Wirtschaft in die gegenwärtige Krise geführt hat. Fachidiotie als Bildungsziel - was daran "exzellent" sein soll, entzieht sich dem gesunden Menschenverstand.
Peter Schild, OStD i.R., Böblingen


 

06.06.2009 18:41
Autor: Ulrich Kurz

Oh Stuttgart ...erst ersetzt es seinen bedeutenden Sackbahnhof durch eine immerhin ehrgeizige U-Bahn-Station, wahrscheinlich damit Reisende in Stuttgart nicht unnötig aufgehalten werden und möglichst schnell in Richtung Frankfurt (Sackbahnhof!) oder München (Sackbahnhof!) verschwinden können. Offenbar sieht sich Stuttgart nicht auf Augenhöhe mit diesen bedeutenden deutschen Städten (geschweige denn mit London, Paris, New York: alles Weltstädte, alles Sackbahnhöfe) ...dann will Stuttgart den Geist aus seiner Universität eliminieren und zu einer Schmalspuruniverität degenerieren (während gleichzeitig allüberall Ethik und Geist wiederentdeckt werden angesichts des aktuellen ökonomischen Desasters, in das uns die technisch-ökonomischen Weltsicht geführt hat). Beides sind leider keine Beispiele protestantischer Selbtbescheidenheit, sondern zwei entschiedene Schritte Stuttgarts in Richtung Provinzialität. Zum Heulen.


 

06.06.2009 12:17
Autor: Engelbert Rolli

Die Vorschläge des (anscheinend technisch engstirnigen) Rektors sind der schlagende Beweis dafür, dass eine nur technisch orientierte Hochschule niemals in der Lage sein wird, zukunftsfähige Beiträge für die Gesellschaft zu entwickeln.
Das Problem ist ein altbekanntes: Alles, was technisch machbar ist, wird per se und unhinterfragt als "Fortschritt" gesehen.
Das "Machbare" ist aber noch lange nicht das "Sinnvolle", „Wünschbare“ oder "gesellschaftlich Verträgliche". Jede technische Machbarkeit muss/sollte zuerst einer Prüfung unterzogen werden, ob die Ergebnisse, die sie zeitigt, gesellschaftlich wirklich erwünscht, verträglich und zukunftsfähig sind. Ohne eine solche, notwendigerweise philosophisch, geisteswissenschaftlich und sozial orientierte, Überprüfung führt uns die dumpfe Technikgläubigkeit nur in weitere Sackgassen (wie wir gerade heute schmerzlich erfahren).
Der Rektor begeht den, für unreflektierte Menschen sehr typischen, Fehler die heutige Krise der Technik genau mit den Mitteln bekämpfen zu wollen, die uns die Krise erst mal beschert haben - unkritische, technische Machbarkeit!
Beim damaligen Wandel (vor ca. 40 Jahren!!) der Technischen Hochschule Stuttgart zur Universität Stuttgart waren die verantwortlichen bereits sehr viel weiter - die Geisteswissenschaften wurden als notwendiges Regulativ erkannt und eingeführt.
Wer immer die Uni Stuttgart kompetent führen will, sollte sie jetzt und sofort vor diesem Rektor und dem Rückfall in neue Inkompetenz dringend bewahren!


 

06.06.2009 07:08
Autor: Alexander

Dies ist eine absolut richtige und ueberfaellige Entscheidung. Es gibt mit der Uni Tuebingen bereits eine geisteswissenschaftlich ausgerichtete Hochschule in unmittelbarer Naehe, ebenso mit der Uni Hohenheim eine Hochschule mit wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Praegung. Daher ist es verstaendlich, dass an der Uni Stuttgart die historisch schon lange bestehende Fokusierung auf Ingenieur- und Naturwissenschaften vorangetrieben wird. Niemand wird bezweifeln, dass dies die wahren Staerken der Universitaet Stuttgart sind und auch in Zukunft sein werden. Als Absolvent der Universitaet Stuttgart kann ich diese Umstrukturierung nur begruessen.

All den protestierenden Geisteswissenschaftlern, die mal wieder den Untergang der ganzheitlichen Bildung vorhersagen, schlage ich vor, doch mal nach Tuebingen zu fahren und dort fuer die Einfuehrung ingenieurwissenschaftlicher Studiengaenge zu demonstrieren - schon alleine damit ihre geisteswissenschaftlichen Kommilitonen endlich mal ein wenig Mehrkoerperdynamik, Thermodynamik, Elektromagnetik und Signaltheorie in ihre Ganzheitlichkeit mit einbeziehen koennen.


 

05.06.2009 23:34
Autor: Frank Mauerhofer

Lieber Prof. Manfred Rommel,

ein Geistesblitz an der Uni löste einen Sturm der Entrüstung, Hagel von Kritik und Medien-Donnerschlag aus. Wie würde sich Stuttgart ohne geistreichen Wortwitz und Philosophien entwickeln? Ich bin geistig nicht mehr ganz im Bilde. Die intelligenten Wahlkampfplakate der Parteien waren zu komplex für mein Großhirn. Der Kampfgeist von schlauen Studentinnen und Studenten gegen weniger Geisteswissenschaften an der Uni Stuttgart möge deshalb von Erfolg gekrönt sein. Stuttgart braucht mehr denn je einen ABC-Studiengang zur nachhaltigen Förderung philosophischer Politik-Intelligenz: „Ich denke, also bin ich ein Berliner!"


 

05.06.2009 23:25
Autor: Torsten Werner

Die Stuttgarter Hochschule ist ein exaktes Spiegelbild unserer globalen Technologiegesellschaft. Und dies ist nicht als Lob zu verstehen. Die Uni-Aktivitäten in den Ingenieurwissenschaften zu verstärken und dabei die Geisteswissenschaften langsam vom Teller zu kippen, dies ist der Trend unserer Zeit. Trends machen also auch vor renommierten Universitäten nicht halt. Das Mithecheln um den Technikkuchen hat begonnen. Und Mitmachen zeugte noch nie von Größe, sondern von Einfallslosigkeit, Desorientiertheit und wenig Eigenständigkeit. Deshalb sind Trends und besonders die Teilnahme an Trends als minderwertig und als dumm einzustufen. In diesen Tagen geht es nur noch um Funktionen und die findet man vor allem in Naturwissenschaft und Technik. Alles muss funktionieren, das Fließband bei Porsche, die Kaffeemaschine zu Hause, die U-Bahn, die Frühstücksbrezel und auch der Mensch muss sich dem alltäglichen Funktionsablauf unterordnen. Keine Zeit mehr für ungebundene, funktionslose Gedanken und ungebremste Sprache. Die Welt die uns umgibt wird Tag für Tag mehr funktionalisiert. Keiner freut sich mehr an seiner eigenen individuellen Existenz oder an einem schönen Gedicht. Euphorische Hochgefühle entstehen nur noch durch Konsum wie beim Achterbahnfahren oder nach einer Pille mit Amphetaminen. Dies sind alles Aktivitäten die einer Funktion genügen, der Funktion bitte mache mir jetzt und hier Glücksgefühle, ich werde dafür bezahlen. Es scheint so, als vereinnahmt unser funktionsorientiertes Verhalten jetzt auch die Uni Stuttgart. Neue, freie Gedanken kann diese Konsumgesellschaft kaum noch „produzieren“. An den Hochschulen ist dieser Trend jetzt angekommen. Auf den Stuttgarter Unigebäuden könnte bald „Funktionieren statt Denken!“ stehen. Und warum ? Weil Achterbahnen von Ingeneuren und Ecstasy von Chemikern, aber nicht von Dichtern und Denkern entwickelt wurde!


 

05.06.2009 22:31
Autor: Adrian Lobe

Dass die Geisteswissenschaften an der Uni Stuttgart jahrelang ein Schattendasein fristeten, ist kein Geheimnis. Dass ihnen nun durch eine einseitige Fokussierung auf naturwissenschaftliche Fakultäten endgültig der Garaus gemacht werden soll, ist ein hochschulpolitischer Skandal.
"Umwidmung", nennt dies Rektor Wolfram Ressel fast schon zynisch. Das Humoldtsche Ideal einer universellen Gelehrsamkeit wird hierbei einer irrsinnigen Marktlogik geopfert. Motto: Geld vor Vielfalt. Dabei ist überaus fraglich, ob die Uni Stuttgart bei der Verteilung der Gelder aus dem Hochschulpakt II überhaupt berücksichtigt wird. Fest steht, dass der Kahlschlag dem Kulturstandort Stuttgart nachhaltigen Schaden zufügt. Die Betroffenen sind in erster Linie die Studenten. Sie müssen um die Fortsetzung ihres Studiums bangen, für manche Lehrveranstaltungen vermutlich sogar nach Tübingen ausweichen.
Es scheint, als ob Ressel mit seiner Entscheidung den Geisteswissenschaften den letzten Sargnagel verpasst.


 

05.06.2009 22:16
Autor: Drake Eberhard

Heisst das, der Uni-Rektor kann entscheiden, ob, wieviel und welche Lehrer an der Uni Stuttgart ausgebildet werden?
Schlafen das Kultusministerium und das Wissenschaftsministerium? Oder schauen sie einfach mal nur zu? Motto, wir bleiben in Deckung und warten ab.
Der Vorstoss zeigt wohl, dass die Landesregierung (CDU/FDP) der Uni Stuttgart nicht mehr Mittel zur Erreichung höherer "Exzellenz" bereitstellen will.


 


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