Stuttgart - Der Tübinger Grünen-OB Boris Palmer könnte 2012 als Bewerber um das Amt des Oberbürgermeisters in die Landeshauptstadt zurückkehren. "Ich schließe eine Kandidatur nicht aus", sagte Palmer am Dienstag unserer Zeitung.
2004 hatte der damals 32-jährige Landtagsabgeordnete gegen Amtsinhaber Wolfgang Schuster (CDU) 21,5 Prozent erreicht. Im zweiten Durchgang zog er zugunsten Schusters zurück. Ute Kumpf von der SPD als weitere Kandidatin hatte das Nachsehen.
Der Ausgang der Gemeinderatswahl mit dem klaren Sieg der Grünen gibt Spekulationen um Palmer Auftrieb, zumal er mit Schuster noch eine Rechnung offenhat. Der hatte 2004 einen Bürgerentscheid über das von den Grünen bekämpfte Bahnprojekt Stuttgart 21 in Betracht gezogen, später aber mit Gutachten begründet, dass dies rechtlich unmöglich sei. "Das sind Ausreden", sagt Palmer heute. Am 17. Juli soll das Verwaltungsgericht die Rechtslage klären.
"Mit 32 Jahren war ich für eine Großstadt damals außergewöhnlich jung, um erfolgreich zu sein", schätzt Boris Palmer seine Chancen heute höher ein. Er könne in Tübingen, wo es ihm "seht gut gefällt", Erfolge vorweisen. Die Aussage von Schuster, der Bau des Tiefbahnhofs sei entschieden, greift Palmer scharf an. "Er verschanzt sich hinter disponiblen Verträgen, politisch ist sehr viel möglich".
Ministerpräsident Günther Oettinger reagierte auf Palmers Angriff am Dienstag in der Landespressekonferenz. Palmer zelebriere "die Lust aufs Amt viel zu früh". Er sei damit in Tübingen "ein OB auf Abruf". Stuttgarts CDU, rät der Regierungschef, solle 2011 "nach dem Baubeginn von Stuttgart 21" die Kandidatenfrage beraten. Dabei, so Oettinger, "ist zuerst der amtierende OB gefragt".