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Winnenden

Schützen kritisieren Amoklauf-Bündnis

03.07.2009 - aktualisiert: 03.07.2009 17:48 Uhr

Kampfmittelbeseitigungsdienst vernichtet Waffen
Foto: dpa
Stuttgart/Winnenden - Die vom Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden geplante Stiftung gegen Gewalt an Schulen ist bei Jägern und Sportschützen auf Kritik gestoßen. Die evangelische Landeskirche, die das Bündnis unterstützt, will jetzt zwischen Hinterbliebenen und Schützen vermitteln. Bischof July regt einen Runden Tisch an.

Unmittelbar nach der Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs in Winnenden hatte der Landesbischof der evangelischen Landeskirche Württemberg, Frank Otfried July, den betroffenen Eltern seine Unterstützung bei der Gründung einer neuen Stiftung zugesagt. July begründete die Hilfe damit, dass auch kirchliche Dienste finanziell unterstützt werden sollen, so die Notfall- und Schulseelsorge, kirchliche Lebens- und Familienberatungsstellen sowie kirchliche Jugendwerke. Den Vertretern des Winnender Aktionsbündnisses wie der Schützen und Jäger schlägt July vor, sich an einem Runden Tisch für die Suche nach einer gemeinsamen Lösung zusammenzusetzen. Die Evangelische Akademie Bad Boll könnte ein solcher Raum für Gespräche sein. Dass sie die geplante Stiftung berate, bedeute im Übrigen nicht, dass die Landeskirche Position gegen Sportschützen, Jäger oder gegen die Jagd allgemein beziehe. "Wir wollen keinen Generalverdacht gegen Sportschützen oder Jäger aussprechen, wenn wir die Siftungsgründung unterstützen."

Leicht verwundert über Julys Vorstoß zeigte sich am Freitag die Landesoberschützenmeisterin Hannelore Lange. Sie habe "bisher keine Kritik an der Evangelischen Landeskirche geübt", erklärte sie auf Nachfrage. Nicht einverstanden sei man jedoch mit dem Ziel des Amoklaufbündnisses bezüglich einer Verschärfung des Waffenrechts. An einem Runden Tisch werde man aber "selbstverständlich teilnehmen". Ähnlich äußerte sich ein Sprecher des Landesjagdverbands. Von Unmutsäußerungen gegenüber der Kirche sei ihm nichts bekannt. "Irritiert bis verärgert" sei man aber, dass zahlreiche Jäger "merkwürdige Post vom Oberbürgermeister" erhalten hatten, wonach sie prüfen sollten, ob sie ihre Waffen wirklich nach wie vor benötigten.

Einen ähnlichen Brief hatte Mitte April auch Johannes Fuchs, Landrat des Rems-Murr-Kreises, in dem Winnenden liegt, verschickt. Der Amoklauf und die folgenden Diskussionen hätten die Waffenbesitzer merklich sensibilisiert, so Fuchs. "Durch das Anschreiben, die Gespräche mit Vertretern von Schützenvereinen und Jägern und eine unbürokratische Rückgabe und Beratung durch unsere Waffenbehörde wollen wir unseren Teil leisten, dass nur die Waffen in Privatbesitz verbleiben, die tatsächlich für Jagd und Sport gebraucht werden."

Fuchs' Appell hatte Erfolg. Bis gestern ging die Zahl der Waffenbesitzer im Zuständigkeitsbereich des Landratsamts von 3498 auf 2659 zurück, das entspricht einem Rückgang um 24 Prozent. Seit dem Amoklauf wurden im Kreishaus 1338 Schusswaffen zur Vernichtung abgegeben. Zum Vergleich: Zum 31. Dezember 2008 lag der Bestand im Landkreis (allerdings ohne die Großen Kreisstädte) bei 11833 Waffen.

Nach dem Winnender Blutbad hatte es etliche Trittbrettfahrer gegeben. Jetzt hat das Amtsgericht Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis) einen Jugendlichen nach der Internet-Ankündigung eines Amoklaufs zu einer achtmonatigen Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. In Kandern (Kreis Lörrach) hat am Freitag eine Drohung eines Schülers einen Großeinsatz der Polizei verursacht.
 

Dirk Herrmann