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Bierzeltschlacht in Bopfingen

Fäuste und Flaschen fliegen

06.07.2009 - aktualisiert: 07.07.2009 10:43 Uhr

Es sollte eine friedliche Regionalmesse werden, es wurde eine wahre Schlacht. Ort des Geschehens: Bopfingen im Ostalbkreis. Seit Jahren findet dort stets im Frühsommer die Ipfmesse statt – eine Nabelschau der heimischen Wirtschaft mit Volksfest. Schon 2007 kam es in einem Bierzelt zu einer Schlägerei.

Nun aber hat die Gewalt gegen Polizisten in Baden-Württemberg einen neuen Höhepunkt erreicht. "Die Gewalt ist explosionsartig ausgebrochen", sagt Bernhard Kohn, Sprecher der Polizei in Aalen, über die Ereignisse vom vergangenen Wochenende. Zu später Stunde wird die Polizei zu Hilfe gerufen, weil sich zwei Festzeltbesucher streiten. Als vier Beamte der Bereitschaftspolizei eintreffen, springen gut 40 Personen auf und greifen die Beamten grundlos an. Fäuste und Flaschen fliegen, Bierkrüge und Steine werden geworfen, dazu gehen die Besucher mit Bierbänken auf die Beamten los. Ein Sicherheitsdienst der Messe eilt der inzwischen auf 13 Mann verstärkten Polizei zu Hilfe, aber die Lage in dem 5000-Personen-Zelt bleibt heikel. Zwar können sechs Beteiligte der Angreifermeute überwältigt werden, doch auf dem Weg zur Wache werden die Polizisten, die einen Angreifer abführen, brutal überfallen. Der Schläger wird befreit, zurück bleiben Polizisten mit Prellungen und Schürfwunden.

Noch in der Nacht wird die elfköpfige Sonderkommission "Messe" gebildet. Die bisher ermittelten 17 Beteiligten sind allesamt Russlanddeutsche. Aber die jungen Männer zwischen 20 und 30 Jahren schweigen. "Das Motiv für den Überfall ist völlig unklar", sagt Polizeisprecher Kohn.

Ob die Beamten in eine Falle gelockt wurden? Die Staatsanwaltschaft Ellwangen hat sich eingeschaltet. "Wir haben bislang Verfahren gegen fünf bis sechs Beschuldigte, und das dürften noch mehr werden", sagt Staatsanwalt Armin Burger unserer Zeitung. Den Beschuldigten wird Gefangenenbefreiung vorgeworfen. Die Liste der Vorwürfe dürfte noch länger werden: Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. "Was hier passiert ist, hat es in dieser Form noch nicht gegeben", sagt Burger. Und doch scheint es ein (trauriger) Trend zu sein. 2008 wurden landesweit rund 2100 Polizisten angegriffen - zehn Prozent mehr als 1999.
 

Frank Krause