Ärger im Blühenden Barock über dubioses Gewinnspiel eines Weinvertriebs - Firma eckte schon mehrfach mit Verbraucherschutz an
Von Sascha Schmierer
LUDWIGSBURG. Mit dem versprochenen Geschenkkorb gab"s eine saftige Rechnung: Mit einem dubiosen Gewinnspiel hat ein Weinvertrieb im Blühenden Barock großen Ärger ausgelöst. Nach der Beschwerde einer auf den Trick hereingefallenen Familie hat Gartenschauchef Volker Kugel die Firma zum Rapport bestellt: "Es kann nicht sein, dass unsere Besucher in die Irre geführt werden", betont Kugel - und will bei künftigen Pachtverträgen strengere Vorgaben machen. In einem Gespräch mit dem Geschäftsführer des Weinvertriebs aus Rheinland-Pfalz wurde laut Kugel vereinbart, "dass ein derartiges Gewinnspiel im Blühenden Barock nicht mehr stattfinden wird". Kugel: "Das ist ersatzlos gestrichen."
Auslöser der Affäre war ein Anruf des Weinvertriebs bei einer Familie. Bei einem Sonntagsbummel durchs Blühende Barock hatten die Eltern an dem Weinprobierstand am Rand des Märchengartens eine Teilnahmekarte für ein Gewinnspiel ausgefüllt. Wenige Tage später klingelte prompt das Telefon - ein Mitarbeiter des Weinguts aus Langenlonsheim erklärte der erfreuten Ludwigsburgerin, dass sie einen Geschenkkorb im Wert von 50 Euro gewonnen habe.
Was der Außendienstler nicht sagte: Geliefert wird der Preis nur in Verbindung mit einer Bestellung. Bei der arglosen Familie gingen daher zwei Wochen nach dem Besuch im Blühenden Barock nicht nur der versprochene Geschenkkorb, sondern auch zwölf Flaschen Wein ein - und eine Rechnung über 99,99 Euro. Das Problem: Mit der Postkarte fürs Gewinnspiel gaben die Ludwigsburger auch ihr Einverständnis für Werbe-Anrufe der Firma - der ausgelobte Preis dient vor allem als Köder.
"So einen Krampf brauchen wir nicht", ärgert sich der Gartenschau-Chef. Als sich die erboste Familie über das dubiose Gewinnspiel beschwerte, forderte Kugel eine Stellungnahme der Weinfirma an. Die entschuldigte sich, nachdem der Geschäftsführer das im Call-Center aufgezeichnete Telefonat gehört hatte. Der nach Angaben der Firma gekündigte Mitarbeiter hatte es im Gespräch mit vermeintlichen Gewinnern nicht genau genommen. Die Lieferung wurde ausgebucht, die Firma spricht von einem Einzelfall.
Der bundesweit tätige Weinvertrieb ist aber schon mehrfach mit Verbraucherschützern angeeckt. Die Verbraucherzentrale Hamburg klagte erfolgreich gegen die unerwünschte Telefonwerbung des Weinvertriebs. Die Verbraucherzentrale Sachsen reichte, da sich nach einer Weinmesse die Beschwerden geleimter Kunden häuften, eine Unterlassungsklage ein. Falls sich auch in Ludwigsburg derartige Vorfälle wiederholen, will Kugel die Verlängerung des Pachtvertrags überdenken - obwohl die Firma gutes Geld für den Stand bezahlt.
07.07.2009 - aktualisiert: 07.07.2009 05:43 Uhr