Porsche verschenkt seine Sportwagen an die Scheichs
Stuttgart - Der angeschlagene Autobauer Porsche hofft auf finanzielle Hilfe durch die Beteiligung von Katar. Kommt das Emirat tatsächlich für sieben Milliarden Euro zum Zug, wäre es ein echtes Schnäppchen.
Nach Berechnungen unserer Zeitung haben allein die VW-Papiere, die das Golf-Emirat bei einem Einstieg bei der Porsche Holding erwerben würde, einen Wert von mehr als 14 Milliarden Euro. Bisherigen Informationen zufolge bezahlt das Emirat allerdings nur sieben Milliarden Euro für sein Engagement, zu dem auch ein 25-Prozent-Anteil am eigentlichen Sportwagengeschäft von Porsche gehören würde. Rechnerisch erhält Katar demnach das Sportwagengeschäft geschenkt und überdies noch einen Nachlass von gut sieben Milliarden auf die VW-Papiere. Porsche hält an Europas größtem Autohersteller einen Anteil von 50,76 Prozent und besitzt außerdem über Aktienoptionen die Möglichkeit, weitere 20 Prozent zu einem günstigen Preis zu erwerben.
Gleichwohl ist ein Einstieg von Katar für Porsche wahrscheinlich ein vorteilhaftes Geschäft, da der Wert von Porsches VW-Anteilen nur noch auf dem Papier steht. Weil Porsche wegen Geldmangels nicht in der Lage ist, die milliardenschweren Optionen auszuüben, sind diese faktisch "kein Vermögenswert, sondern ein Risikofaktor", erklärte Autoanalyst Jürgen Pieper vom Frankfurter Bankhaus Metzler gegenüber unserer Zeitung. Denn um die Papiere behalten zu können und einen Kurssturz der VW-Aktie zu vermeiden, müsse Porsche jedes Vierteljahr 50 bis 100 Millionen Euro für die Verlängerung der Optionen bezahlen. Porsche sei durch die Papiere in die Rolle eines "Gefangenen" geraten, so Pieper.
Nach Informationen des New Yorker Börseninformationsdienstes Bloomberg erwägt Porsche aus diesem Grund sogar, die VW-Optionen zu verschenken, denen Porsche in der Vergangenheit immer neue Milliardengewinne zu verdanken hatte. Dadurch müsste Porsche einmalig einen Milliardenverlust verbuchen, wäre aber die laufenden Kosten los. Allerdings würden dann nur noch zwei Milliarden nach Zuffenhausen fließen; fünf Milliarden würde Katar einsetzen, um die Optionen zu nutzen und VW-Papiere zu kaufen.