Stuttgart - Nach dem Diebstahl von elf Waffen aus dem Crailsheimer Rathaus ermittelt das Stuttgarter Innenministerium, welchen Umfang der behördliche Waffenhandel in Baden-Württemberg hat. Einer der größten Waffenverkäufer dürfte das Stuttgarter Regierungspräsidium (RP) sein.
Ein Sprecher bestätigte auf Anfrage, dass auch bei der obersten Waffenbehörde für Nordwürttemberg "Waffen verkauft wurden". Um welche Summen es sich handelt, wollte er nicht sagen. Nach Informationen unserer Zeitung nahm das RP jährlich mehrere zehntausend Euro ein. Auch bei anderen Regierungspräsidien ist der Erlös aus den Verkäufen ein Haushaltsposten.
Bis Ende März konnten alle Kommunen bei ihnen abgegebene Waffen aufgrund einer Verwaltungsvorschrift aus dem Jahr 1993 verkaufen. Städte wie Stuttgart, Esslingen und Ulm haben davon abgesehen, andere nicht. Nach dem Amoklauf von Winnenden schrieb das Stuttgarter Regierungspräsidium an die rund 150 "unteren Waffenbehörden" im Südwesten einen Brief, in dem die unverzügliche Vernichtung aller Waffen angeraten wurde. Dass die eine oder andere Kommune tatsächlich Waffen verkaufte, kam erst am 11. Juni durch den Crailsheimer Diebstahl ans Licht. Der dortige Ordnungsamtsleiter hatte bis in jüngste Zeit Schusswaffen versilbert.
Beim Innenministerium will man nun, sobald das neue Waffenrecht Ende Juli in Kraft getreten ist, die alte Vorschrift ändern. "Wir werden reinschreiben, dass Waffen grundsätzlich zu vernichten sind", teilte eine Sprecherin mit.
Frank Schwaibold