Stuttgart - Die Gerüchte verdichten sich, dass Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking seinen Stuhl räumen muss. Für diesen Fall sollen ihm die Eigentümerfamilien eine gigantische Millionensumme versprochen haben.
Ist die Höhe der Abfindung gerechtfertigt?
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Bereits gestern Abend traf sich der Porsche-Aufsichtsrat überraschend zu einer Sitzung; für heute ist eine weitere Sitzung des Gremiums sowie des Aufsichtsrats von VW vorgesehen. Themen sind die Zukunft des Sportwagenherstellers und des Chefs Wendelin Wiedeking. Schon am Mittwoch hatten sich die Anzeichen verdichtet, dass Wiedeking gehen muss, ihm sein Abgang aber fürstlich entlohnt wird. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es Überlegungen der Porsche-Eigentümer Piëch und Porsche, dem Vorstandschef eine Abfindung von mindestens 250 Millionen Euro zu bezahlen. Man wolle eine schnelle Trennung von Wiedeking und „ist deshalb bereit, viel Geld in die Hand zu nehmen“, berichtet ein Vertrauter aus Firmenkreisen. Bisher war von einer Abfindung in Höhe von 100 Millionen Euro die Rede gewesen. Die deutlich höhere Summe orientiert sich an Wiedekings bisherigem Gehalt und der Tatsache, dass dessen Vertrag noch bis zum Jahr 2012 gilt.
Ministerpräsident Günther Oettinger rechnet inzwischen fest mit einer Integration Porsches in den Volkswagen-Konzern. Die Landesregierung habe schon „vor Wochen“ einen integrierten Konzern „akzeptiert“. Allerdings müsse die Eigenständigkeit von Porsche „uneingeschränkt gewahrt bleiben“. Insider befürchten jedoch, dass es mittelfristig zum Stellenabbau bei Porsche kommen wird.
Der Aufsichtsrat von VW berät heute um 12 Uhr am Stuttgarter Flughafen, das Gremium von Porsche ist für 16 Uhr im Entwicklungszentrum Weissach einberufen worden. Nach bisherigen Plänen soll Wiedeking sowohl dem Aufsichtsrat von VW, dem er selbst angehört, als auch den Aufsehern von Porsche sein Konzept vorstellen, das den Einstieg des Emirats Katar und eine Kapitalerhöhung der Eigentümerfamilien Piëch und Porsche vorsieht.
Frank Krause, Armin Zimny
Lesermeinungen
25.07.2009 10:19
Autor: Zentmaier, Volker
Wie es sich jetzt herausstellt war die ganze Geschichte, Porsche-VW Übernahme ein riesiger Bluff, geschickt von allen Beteiligten eingefädelt und durchgezogen. Wichtige Details zur Verschuldung kommen jetzt heraus. Die alte marode Firma, die durch Wiedeking wie Phönix aus der Asche nochmal groß auftrumpfte, wurde durch sehr geschickte Schachzüge inzwischen wieder unter das VW Dach gerettet. Die Emotionen der Beschäftigten, Politiker und sonstigen Mitspieler waren ein wichtiges Gebaren um den Deal in trockene Tücher zu bekommen. So funktioniert der gehobene Kapitalismus!
24.07.2009 13:24
Autor: Dorothea Huber
ich würde Herrn Wiedeking noch mehr Abfindung gönnen. Allerdings sollte Herr Piech persönlich das Geld aufbringen. Das sollte es ihm wert sein, dass er endlich seinen Widersacher, der ihn schon lange stört und der Porsche mit eigenem Kapital hochgebracht hat, losgeworden ist. Auch Herr Wulff sollte zur Kasse gebeten werden. Leider wird Baden - Württemberg auch von der Kanzlerin ganz im Stillen benachteiligt.Ich werde bei der Wahl daran denken.
24.07.2009 04:54
Autor: Wolfgang Scheu
Die Summe sei Herrn Wiedeking gegönnt. Es fließt ja garantiert kein Cent an Geldern des Staates dabei und solcher Unsinn kann unmöglich steuerlich absetzbar sein. Allerdings ist es kein Wunder, wenn Millionenbeträge so langsam zu "Peanuts" verkommen und die Signale dürften verheerend sein. Wer soll da, die an ihn gerichtete Aufforderung des Finanzamts mal eben ein paar Tausender zu zahlen noch ernst nehmen. Und noch Eins: Der Staat sollte gefälligst seine Finger und vielmehr noch die Steuergelder von den Konzernen lassen. Der Karren ist zwar mit der "Rettung" der Banken schon endgültig und rettungslos gegen die Wand gefahren worden, die Frage ist jedoch ob sich Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher dies auf Dauer gefallen lassen werden?