Stuttgart - Stuttgart, du hast es besser. Während die Wirte in München kräftig zulangen und beim Oktoberfest bis zu 8,60 Euro für die Maß verlangen, bleibt beim 164. Cannstatter Volksfest der Preis stabil. Auf dem Wasen kostet der Liter Bier wie im Vorjahr 7,90 Euro.
Die Fantastischen Vier haben bei ihrem Jubiläumskonzert im Juli bereits die Schmerzgrenze auf dem Wasen erkundet. Zehn Euro für den Liter Bier, da musste man kräftig schlucken, bevor man den Plastikkrug überhaupt in der Hand hielt. Spätestens da musste man sich Sorgen machen, dass auch die Wirte des Volksfests ihr ewiges Mantra vor sich hermurmeln - die Kosten, die Kosten, die Kosten - und den Bierpreis erhöhen.
Zwar frönen sie auch heuer dem Brauchtum und beklagen, dass alles teurer geworden sei, aber dem Publikum wollen sie beim Volksfest vom 25. September bis zum 11. Oktober nicht schon wieder mehr Geld abnehmen. Im Vorjahr hatten die Wirte den Preis für die Maß um 20 Cent erhöht. Heuer glauben sie, dem Zecher nicht mehr zumuten zu können. Der Bierpreis als Konjunkturindikator. Allerorten muss gespart werden, "also haben wir gemeinsam mit den Brauereien entschieden, den Preis stabil zu halten", sagt Wirtesprecher Werner Klauss. "Alles andere passt nicht in die Zeit."
Also bleibt's bei 7,90 Euro für die Maß Bier und bis zu 8,90 Euro für ein halbes Hähnchen. "Eine gute und vernünftige Entscheidung", freut sich Marcus Christen, für den Wasen zuständigen Abteilungsleiter der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart. Dabei müssten die Wirte in diesem Jahr höhere Kosten schultern. "Wir haben den Wasen umgebaut, Feuergassen verlegt und verbreitert, Lichtmasten versetzt, Wasser und Abwasser neu gelegt", sagt er, "das hat rund 200.000 Euro gekostet." Diese Summe habe man über eine Erhöhung des Platzgeldes auf die Beschicker der Feste auf dem Wasen umgelegt. "Allerdings nicht auf die Spielgeschäfte, sondern auf jene, die in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich profitiert haben, Imbisse und Zelte."
Damit nicht genug, betonen die Wirte. Sie haben nämlich fast alle auch investiert. Michael Wilhelmer sowieso, der neue Schwabenbräu-Wirt baut derzeit ein Zelt für 5000 Gäste mitsamt Empore. Aber auch die altgedienten Kollegen haben Geld in die Hand genommen. Sonja Renz hat ihr Zelt um 700 Plätze auf 3500 erweitert. Karl Maier errichtet nicht nur ein größeres Zelt, in dem künftig 3500 Besucher Platz finden - 1000 mehr als früher. Er hat sich auch Feinkost Böhm ins Göckelesmaier-Zelt geholt. In einer Nische gibt's Austern und Scampi. Feinkost auf dem Wasen? Maier ist zuversichtlich, dass es funktioniert. "Die Resonanz ist hervorragend."
Bodenständiger geht's bei der Familie Weeber zu. Aber auch der Wasenwirt erweitert: Um 500 auf 3000 Plätze. Und Hans-Peter Grandl bekommt an seinem Hofbräu-Zelt einen Biergarten mit fast 800 Plätzen. Eine Folge des Umbaus des Festgeländes. Die Bierzelte werden verschoben. Alle sieben werden sich nahe der Fruchtsäule aufreihen. Und sie bekommen feste Plätze. Bisher tauschten die drei großen Bierzelte jedes Jahr ihre Standorte. Nun wird Dinkelacker zum Festplatz hin stehen, Schwabenbräu in der Mitte und Hofbräu zum Parkplatz hin. Der angeblich schlechteste Platz.
Denn alle vier Jahre verwandelt sich der Parkplatz in das landwirtschaftliche Hauptfest. Im Gegensatz zum Volksfest dauert es nur eine Woche. Somit steht das äußerste Bierzelt noch eine Woche lang neben einem Gelände, auf dem aufgeräumt wird. Keine Autos, keine Laufkundschaft. Für denjenigen Wirt, der also den Platz ganz außen annahm "gab's als Kompensation einen großen Biergarten", sagt Grandl. "Ich wollte, die anderen nicht."
Was auch daran lag, dass die Brüder Klauss mit Fürstenberg-Wirt Peter Brandl die einzigen sind, die nicht erweitern wollten. Sie haben als Wirte im Dinkelacker-Zelt 2001 angefangen, unmittelbar nach den Terroranschlägen auf New York und das Pentagon. "Das war hart und hat uns geprägt", erinnert sich Werner Klauss, "jetzt viel Geld auszugeben passt nicht in diese schwierige Zeit." Also halten sie sich zurück und geben sich mit ihren knapp 5000 Plätzen zufrieden. "Die wollen auch gefüllt sein."
Nun, die Reservierungen laufen nach Auskunft der Wirte hervorragend. Fast überall seien die Wochenenden ausgebucht. Das wird auch nötig sein. "Wir haben in den Zelten 32.000 Plätze", sagt Christen, "3500 mehr als im Vorjahr." Gut, dass man da mit einem stabilen Bierpreis werben kann. Die Beutelschneiderei beim Fanta-Vier-Jubiläum nimmt die in.Stuttgart übrigens bierernst. Künftig werden bei Konzerten auf dem Wasen die Preise gedeckelt. Zehn Euro für einen Liter Bier soll's nicht mehr geben - da ist's ja selbst beim Oktoberfest billiger.
Frank Rothfuss