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Gläserverbot in Pubs

Kommt das Bier im Plastikbecher?

26.08.2009 - aktualisiert: 25.08.2009 19:15 Uhr

Prinz Charles
Bald vorbei? Prinz Charles goutiert sein Bier – stilgerecht abgefüllt in einem Pintglas
Foto: AP
London - Die Kneipen-Szene im Film "Trainspotting" ist legendär: Kumpel Francis Begbie schmeißt sein leeres Pintglas rücklings über die Schulter, wo es auf dem Kopf einer Frau zerschmettert. Die schreit, während Begbie zum Angriff übergeht: Er hat den Auslöser einer wüsten Kneipenprügelei selber geschaffen.

Wer meint, so etwas passiere nur im Film oder in der Londoner Unterwelt, der irrt. Pintglas-Attacken sind so häufig, dass sie einen festen Platz in der englischen Sprache haben: "einen Begbie machen" oder jemanden "verglasen" sind Slangstandards. Die britische Regierung will deshalb die Biergläser in Kneipen abschaffen.

Das Pintglas ist ganz klar die bevorzugte Waffe in alkoholbefeuerten Kneipenduellen Britanniens, übrigens auch zwischen den Damen: 5500 Personen erleiden jährlich schwere Schnittverletzungen, weil die Trinkgefäße als Torpedo oder Schlaghammer eingesetzt werden. Immer wieder verbluten Kneipengänger, nachdem sie mit scharfen Scherben traktiert werden.

In dieser wüsten Streitkultur setzt sich Staatssekretär Alan Campbell vom Innenministerium jetzt für Abrüstung ein: Das Pintglas soll verschwinden, eine eingesetzte Design-Kommission in den nächsten vier Monaten Alternativen erfinden. "Wir überlegen, die Gläser entweder von außen mit Plastik zu überziehen, so dass sie nicht zu Bruch gehen können", erklärt Designsprecher Nick Verebelyi, "oder die Form und Idee des Pints komplett zu verändern."

Verebelyis Initiative sorgt jedoch in den Pubs inselaufwärts und -abwärts für schlimme Katerstimmung. Der Sprecher der britischen Kneipenvereinigung kontert mit eigenen Expertenansichten: "Für den Biertrinker fühlt sich ein echtes Glas einfach besser an - es schmiegt sich gut in die Hand, und das Bier schmiegt sich gut ins Glas", sagt Neil Williams. "Deshalb treffen sich Leute doch auf einen Drink - um eine schöne Erfahrung zu machen."

126 Millionen solcher Pints gehen Woche für Wochen meist in Gläsern über die Tresen. In Zukunft etwa aus Plastik-Pints oder aus Pappbechern trinken zu müssen, das sorgt in den 58000 Pubs für so viel Zündstoff, dass schon wieder Gefahr durch tieffliegende Gläser droht. "Ein anderes Material als Glas würden Biertrinker nie akzeptieren", bläst Williams zum Kampf. "Die Regierung soll endlich aufhören, uns Vorschriften zu machen." Fakt ist jedoch auch, dass Kneipiers in Brennpunkten bereits freiwillig dazu übergehen, Bier nur noch in PC-Kunststoff auszuschenken. Dadurch haben sich auch die jährlichen Krankenhauskosten von über 120 Millionen Euro für die typischen Schnittwunden senken lassen.
 

Jasmin Fischer