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Videospiele als Roman

Schöner lesen mit Lara Croft

02.09.2009 - aktualisiert: 01.09.2009 18:33 Uhr

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Lara Croft in "Underworld"
Foto: Eidos
Stuttgart - Weil die Kinoauftritte von Videospielestars wie Lara Croft so spektakulär sind, übersieht man leicht, dass Spiele wie "Tomb Raider" oder "World of Warcraft" längst auch den Buchmarkt aufmischen. Zur Freude des Stuttgarter Panini-Verlags.

"Lara sprang mit schussbereiten Pistolen aus der Kabine und hielt Ausschau nach irgendeinem Zeichen von Leben. Der Fahrer, der sich mit einem Sprung aus dem Weg geworfen hatte, kam angeschlagen auf die Beine. Sie schwenkte eine Hand herum, die Black Demon noch in der Faust, und erwischte ihn damit an der Schläfe. Bewusstlos fiel er zu Boden."

Atemlos wie in einem Jerry-Cotton-Heft geht es die ganze Zeit zu in Mike Resniks Roman "Tomb Raider - Das Amulett", den der Stuttgarter Panini-Verlag im Programm hat. Auch Bücher zu Spielehits wie "World of Warcraft", "Spellforce", "Final Fantasy", "Splinter Cell", "Crysis" oder "Halo" hat der Verlag im Angebot. Diese belletristischen Zweitverwertungen von Rollenspielen, Ego-Shootern, Adventure-Games oder Echtzeit-Strategiespielen füllen einen ansehnlich dicken Katalog des Verlags - und auch dessen Kassen.

Daran, dass man die Hobbyarchäologin Lara Croft in der Spielereihe "Tomb Raider" am Computer turnen, hüpfen und schießen lassen kann, hat man sich gewöhnt. Auch ihre Ausflüge auf die Leinwand (2012 soll in Teil drei Megan Fox angeblich Angelina Jolies Part übernehmen) überraschen einen nicht mehr. Dass sie längst auch Buchheldin ist, blieb vielen dagegen bisher verborgen. "Wir haben zwar keine Millionenseller im Programm", sagt Steffen Volkmer vom Panini-Verlag, "aber viele unserer Titel bringen es im Lauf der Jahre auf beachtliche Verkaufszahlen." Vom ersten "World of Warcraft"-Roman hat Panini schon 100000 Exemplare verkauft.

Die ersten Spieleromane hat der Verlag schon vor zehn Jahren veröffentlicht, als er noch Dino hieß. Damals kamen zunächst Umsetzungen von "Diablo", "Resident Evil" und "Warcraft" auf den Markt. Inzwischen gibt es zu nahezu jedem neuen Erfolgstitel einen Roman. Gerade erst hat der Verlag auf der GamesCom ihr Sortiment vorgestellt. Vor allem der aktuelle "Gears of War"-Roman kam bei den Spielern gut an.

Bei den Buchveröffentlichungen variiert Panini perfekt das Modell, das Trivialromanreihen wie "Jerry Cotton", "Perry Rhodan" oder "Geisterjäger John Sinclair" etabliert haben: Ein fester Stamm von Autoren kümmert sich stets darum, eine vom Spieleentwickler vorgegebene Storyline in Romanform auszuarbeiten. "Unsere Autoren müssen gut schreiben können, sich aber auch ausgezeichnet in der jeweiligen Spielewelt auskennen", sagt Volkmer.

Verwirrend wird die Sache nur beim Roman zu "Splinter Cell": Während die Vorlage für das Action-Shooter-Spiel vom Politthriller-Experten Tom Clancy stammt, ist der Autor der Romanfassung David Michael, dessen Name nur viel kleiner aufs Cover darf als der Tom Clancys.
 

Gunther Reinhardt