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Stuttgarter Osten

Hitzige Debatte um Altglascontainer

Foto: Hörner

Stuttgart - Um eine große Zahl von Menschen auf die Palme zu bringen, braucht es kein großes Thema. Im Stuttgarter Osten streiten sie um zwei Altglascontainer.

Den einen, bereits entfernten, wollen manche wiederhaben, auf den anderen, als Restmülleimer missbrauchten, würden einige liebendgern verzichten.Der abtransportierte Container in der Haußmannstraße muss wieder her! 400 Anwohner haben ihrer Forderung per Unterschrift Nachdruck verliehen.

Die Liste bekam kürzlich Bernhard Kübler, Bezirksvorsteher in Stuttgart-Ost, vorgelegt. An anderer Stelle wiederum, namentlich am Lukasplatz, stören sich Anwohner an einem bestehenden Altglascontainer. Dass sich um Sinn und Unsinn von öffentlichen Flaschenbehältern trefflich streiten lässt, zeigte sich jetzt in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats Ost. Hitzig debattierte das Gremium mit rund 40 Bürgern, die eigens gekommen waren.

"Ich will den Altglascontainer wiederhaben", ruft eine Anwohnerin aus der Haußmannstraße. "Das war richtig geschickt. Jetzt muss ich so weite Wege gehen und schaffe es kaum", ergänzt eine gehbehinderte ältere Dame. Die meisten Bezirksbeiräte verstehen die Aufregung nicht. "Das ist doch nur Bequemlichkeit", stellte Veronica Beck von den Grünen fest, "in 200 bis 300 Meter Entfernung stehen andere Glascontainer. Seien sie froh, dass sie den loshaben." Eine Haltung, die die Zuhörer erzürnen ließ.

Sitzungsleiter Bernhard Kübler konnte die aufgebrachten Bürger kaum beruhigen. Am wenigsten mit seiner Erläuterung zum Abbau des Containers: Erst im April habe der Bezirksbeirat beschlossen, besagten Glascontainer in der Haußmannstraße zu entfernen. Denn direkt neben diesem Container befinde sich ein Kunstwerk. "Das ist eine relativ kleine Fläche. Es sieht einfach unmöglich aus, wenn neben der abstrakten Plastik diese Glascontainer stehen." Die Anwohner reagieren empört: "Der Altglascontainer hat für mich wesentlich mehr Wert, als so ein Betonkunstwerk", ruft eine junge Frau. Beim Vergleich abstrakte Kunst gegen Flaschencontainer punktet in der Haußmannstraße eindeutig letzterer.

Genau umgekehrt verhält es sich am Lukasplatz. Hier kämpfen Anwohner seit 15 Jahren für eine Versetzung eines Containers. "Der Container wird für alles missbraucht, nur nicht zum Entsorgen von Altglas", schimpft ein Bürger. Der etwas abseits gelegene Glascontainer werde mit allerlei Restmüll gefüllt. "Viele koten auch vor den Container, oder lassen ihren Mist einfach davor stehen", ärgert sich ein anderer. Nicht zu vergessen der Lärm: "Morgens um halb sieben falle ich regelmäßig aus dem Bett, wenn mal wieder jemand seine leeren Flaschen einwirft", erzählt ein Betroffener.

Was liegt da näher, als den ungeliebten Container vom Lukasplatz in die Haußmannstraße zu versetzen? Ein Zuhörer bietet selbstlos seine Hilfe an. "Das mache ich, darauf haben sie mein Wort." Gemach, so einfach lässt der Bezirksbeirat nicht an seinem einmal gefällten Beschluss rütteln. An Vorschlägen für einen Ausweg aus der Misere fehlt es indes nicht: Die Glasflaschen dort abzugeben, wo sie gekauft wurden, lautete einer.

Dies wolle man prüfen, sagte das Gremium immerhin zu. Womöglich kann der Bezirksvorsteher den gordischen Knoten durchschlagen: Kunstwerk und Glascontainer könnten doch den Platz tauschen, fand Kübler. Zu einem Votum in welche Richtung auch immer mochten sich die Bezirksbeiräte noch nicht durchringen. Eine Ortsbegehung in den nächsten Wochen soll dem Gremium als Entscheidungshilfe dienen.
 

Juliane Baumgarten

06.10.2009 - aktualisiert: 05.10.2009 17:42 Uhr

 



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