Stuttgart - Wirtschaft und IG Metall üben scharfe Kritik an der Bildungspolitik im Südwesten. Es gebe im Schulsystem keinen Wettbewerb der Ideen und keine Anreize für gute Lehrer, sagte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Andreas Richter, in einem gemeinsamen Interview mit IG-Metall-Landeschef Jörg Hofmann.
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"Dieses System produziert aus sich heraus zu wenig Qualität. Umso mehr muss man sich fragen, warum die Politik da nicht mal richtig rangeht." Es gebe zwar jede Menge praktische Beispiele für Verbesserungen - diese würden aber nie zu Standards.
Auch Hofmann erklärte, es sei "offensichtlich, dass Bildung ein Problemfeld des Landes ist". Zudem fehle es an einer "sichtbaren Industriepolitik in einem Land, für dessen Zukunft die Industrie entscheidend ist". Die CDU-FDP-Landesregierung komme hier ihrer Aufgabe nicht nach.
Petra Otte, Klaus Köster
Lesermeinungen
20.10.2009 10:44
Autor: Uwe Metz
Die vereinte Kritik an der Bildungspolitik muss ich leider bestätigen. Ich bin Vater zweier schulpflichtiger Kinder und leide mit Ihnen und den Lehrern an der Konzeptionslosigkeit in der südwestdeutschen Bildungspolitik. Einst für seine Bildungsbeflissenheit und -tradition bekannt, zeichnet sich das Ländle jetzt durch Planungslosigkeit, impulsiven Aktionismus und Ignoranz aus. Die Bildung ist unverkennbar keine Herzensangelegenheit des Ministerpräsidenten und seiner Regierung.
Die Zeche für diesen Unwillen zahlen unsere Kinder.
19.10.2009 10:25
Autor: Andreas Strauß
Aus Schulen und Hochschulen Unternehmen machen !
Qualität kann nur geschaffen werden, wenn ein Leistungssystem besteht und keine planwirtschaftlichen Strukturen. Dies fängt schon bei der Lehrerauswahl- und Ausbildung an. Es darf nicht nur NC berücksichtig werden, sondern auch die psychischen und physischen Eigenschaften um so einen Job auch erfolgreich durchzustehen. Die Schulen sollten dabei ihre Angestellten selbst aussuchen können, ob sie ins Kollegen-Team passen und nicht durch Zentralvergabe positioniert werden. Bei Lehrern- und Hochschullehrern müssen wie bei freien Angestellten auch, Jahresziele definiert und überprüft werden, nachdem sich das Gehalt richtet. Leistungsunwilligen Lehrern muss gekündigt werden können, sowie es auch in der freien Wirtschaft der Fall ist. Das funktioniert aber nur, wenn man endlich die Verbamtung von Lehrern und Hochschullehrern komplett abschafft. Dies setzt Leistungsschübe frei und spart Millionen an Beamtenbezügen. Zudem sollte man natürlich auch Leistungssäumigen Schülern und Studenten einfacher den Laufpass geben können.
19.10.2009 06:12
Autor: Wolfgang Scheu
Dauerhaft erfolgreiche Systeme sind ausnahmslos von Grund auf stimmig. So sehe ich die Grundvoraussetzungen für ein Qualität 'produzierendes' Bildungssystem darin, dass alle Kinder, unabhängig von ihren Talenten in etwa dieselbe Vorbildungsbasis beim Eintritt in die Schule haben. Diese Basis erhalten sie in ganztägigen Kindertagesstätten, wie sie z.B. in Stuttgart mit den Einstein-Kitas bereits bestehen. Des Weiteren erscheint es mir dringend erforderlich, die Systematik der Wissensvermittlung zu hinterfragen. Es kann wohl einiges nicht stimmen, wenn ein Teil der Hauptschüler nach 9 Jahren Schule mit derartigen Lese-, Schreib- und Rechenschwächen entlassen wird, dass er kaum in der Lage ist eine qualifizierte Lehre zu absolvieren. Von Schulabbrechern wollen wir dabei erst gar nicht reden. Und es geht einiges daneben, wenn Schülernachhilfeinstitute boomen und sich zunehmend zu einem Parallelbildungssystem mausern. Zu guter Letzt ist die effiziente Aufarbeitung des Unterrichtsstoffs entscheidend. Dies kann, für alle Schüler gleich verbindlich m.E. nur in einer Ganztagesschule geschehen. Wer Kinder nachmittags in eine ausufernde PC- und TV-Gehirnwäsche nach Hause entlässt muss einen Großteil des am Morgen vermittelten Schulwissens abschreiben (siehe YouTube: Manfred Spitzer).
Ohne die Einlösung dieser drei Grundvoraussetzungen scheint mir die Beschäftigung mit weiteren Fragen wie ?-gliedrigem Schulsystem, Klassengröße, Erzieher- und Lehrerbesoldung, etc. müßig. Diese Dinge sind zwar alle wichtig, aber sie sind nur dann wirklich diskussionswürdig wenn die vorbeschriebenen Grundvoraussetzungen stimmen.