Bei Ebay müssen Verkäufer von Montag an die Portokosten übernehmen. Foto: dpa
Berlin - Der Frust, der sich auf den Seiten diverser Ebay-Blogs gerade entlädt, hat es in sich: Dass die Anbieter das Porto für ihre Waren jetzt selbst bezahlen sollen, sei "schlicht unverschämt", schreibt eine Kundin. "Für einen verkauften Artikel draufzahlen? Das kann ja wohl nicht sein", mokiert sich ein anderer. Beim Verkauf von Kleinkram, etwa Music-CDs oder Spielzeug, blieben dann allenfalls noch wenige Cents übrig. "Vielleicht sind die kleinen Verkäufer, die ihre Freizeit für die Erstellung der Angebote aufwenden, bei Ebay einfach nicht mehr erwünscht", mutmaßt ein anderer Blogger.
Seit der Auktionshaus-Gigant, der allein im zweiten Quartal dieses Jahres weltweit mehr als 13 Milliarden Dollar umsetzte, begonnen hat, den Kleinhändlern neben den Verkaufsgebühren auch noch die Kosten für den Postversand aufzubrummen, wird das Grummeln unter den Gelegenheitszockern immer lauter. Bei Kleidern, Zubehör und Accessoires gilt der sogenannte kostenlose Versand bereits seit Mitte Juni dieses Jahres. Von Montag an wird das Prinzip auch auf so beliebte Warenarten wie Bücher, Videospiele oder Musikartikel ausgedehnt.
Ebay rechtfertigt den Schritt unter anderem mit Missbrauch von Versandgebühren, der in der Vergangenheit von Kunden immer wieder moniert worden sei. Auf die Beschwerden der Kunden zur Portoabzocke habe man reagieren müssen, heißt es. Für rund 150 Produktkategorien hat der Konzern daher bereits im Verlauf der letzten Monate Versandkostenobergrenzen definiert. Dabei habe man sich an jene Produkte gehalten, bei denen die Kundenzufriedenheit in puncto Versand besonders gering gewesen sei, sagte ein Sprecher. Allgemein seien zu hohe Versandkosten ein Haupthindernis beim elektronischen Einkauf im Internet. Der jetzige Schritt sei daher auch eine Reaktion auf den allgemeinen Trend, Kleinteile im Internet kostenfrei zu versenden.
Die neuen Regeln treffen nach Ansicht von Experten besonders die privaten Gelegenheitsverkäufer hart. Anders als gewerbliche Anbieter, die mitunter Tausende Artikel pro Monat versenden, haben sie fast keinen Hebel, die Kosten für den Warenversand zu senken. Nachlässe bei Postdienstleistern oder Herstellern von Verpackungsmaterial herauszuhandeln, können sie sich abschminken.
Wenn die Waren dann noch zu einem niedrigen Preis über den virtuellen Tisch gehen, fürchten viele, auf Verlusten sitzenzubleiben. Die Krux dabei: Auch wer die Produkte von Anfang an teurer anbietet, erhöht seine Chance auf mehr Gewinn nicht zwangsläufig. Erstens wird die Ware für potenzielle Käufer unattraktiver, weil sich der Ein-Euro-Startpreis in der Plattform als inoffizieller Standard für Kleinkram durchgesetzt hat. Zweitens steigen mit der Höhe des Anfangspreises auch die Gebühren, die der Verkäufer an Ebay zu entrichten hat.
Für Kritiker spiegelt sich daher in dem jetzigen Schritt die allgemeine Unternehmensstrategie des Auktionshausriesen wider. Nach dieser Lesart wird für Ebay der professionelle, gewerblichen Anbieter immer wichtiger, die Kleinhändler dagegen immer unbedeutender. Seit Ebay-Deutschland vor zehn Jahren ans Netz ging, ist die Bedeutung der Kleinkunden kontinuierlich gesunken. Waren es damals fast ausschließlich die Kleinen, die Artikel anboten, stammen heute die Hälfte der verkauften Produkte von den Profis.
Vom einst kultig-virtuellen Flohmarkt ist nicht viel mehr als ein x-beliebiger Internetmarktplatz übrig geblieben, lautet einer der Vorwürfe. "Das Community-Gefühl ist verschwunden", sagte dazu jüngst der Online-Experte und Ebay-Kenner Axel Gronen in einem Interview. Ebay sei entzaubert. Das Unternehmen indes bestreitet, die Kleinkunden zu vernachlässigen. Ebay bleibe auch für sie attraktiv. Seit einem Monat bestünde etwa die Möglichkeit, auf der Ebay-Seite kostenlose Kleinanzeigen einzustellen.
Ob das den Zorn der Gelegenheitsauktionäre mildert?In den Blogs kündigen viele an, Ebay in Zukunft zu meiden und zu Konkurrenten wie Hood oder Amazon überzulaufen. Auch der gute alte Trödelmarkt steht hoch im Kurs. Fazit: mehr Spaß, mehr menschliche Kontakte, keine Gebühren.