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Zaghafter Flirtversuch im Schweinestall

25.10.2009 - aktualisiert: 25.10.2009 19:04 Uhr

Flirten auf dem Melkschemel, Küsse in der Getreidescheune: Landwirte im Liebesrausch lassen bei RTL regelmäßig das Quotenfieber steigen, denn mit der Kuppelserie "Bauer sucht Frau" hat der Sender einen der größten Fernseherfolge seit Jahren gelandet.

Die Zuschauerzahlen der Dokusoap sind seit dem Start 2005 kontinuierlich gestiegen. Bei der vorangegangenen Staffel 2008 wollten durchschnittlich 7,74 Millionen Fans über die unbeholfenen Flirtversuche der balzenden Bauern feixen und nachsichtig schmunzeln, wenn der schmächtige Schäfer Heinrich sein schräges "Schäferlied " herunterleierte. Jetzt gehen die Herzblattgeschichten mit den rustikalen Helden in die nächste Runde. Von heute an zeigt RTL die neun Folgen der fünften Staffel - und zum ersten Mal geht diesmal eine Landwirtin auf Partnersuche.

Seit Sendestart gingen bisher 33 Herren auf Brautschau, zwölf von ihnen RTL zufolge mit Erfolg. Diesmal lässt sich Pferdewirtin Berit (36) aus Mecklenburg-Vorpommern den Hof machen. Sie liebe neben langen Ausritten auch das Motorradfahren und suche einen humorvollen, ehrlichen und romantischen Mann, heißt es im gewohnt treuherzigen "Bauer sucht Frau"-Duktus, den auch Moderatorin Inka Bause pflegt, wenn sie ironiefrei im folkloristischen Fantasiefummel durch die Sendung führt.

Charakteristisch für "Bauer sucht Frau" sind auch die Etiketten, mit denen RTL die Kandidaten belegt. Neben Berit sind diesmal mit von der Partie: der "quirlige Jungbauer" Carsten, der "fröhliche Friese" Claus, der "fleißige Rinderwirt" Dieter, der "fromme Milchbauer" Josef, der "patente Pfälzer" Markus, der "romantische Weinbauer" Tobias, der "lustige Ziegenwirt" Willi und nicht zuletzt der "herzliche Holzbauer Maurizio", ein aus Italien stammendes Original mit Knebelbart - für ihn ist wohl die Rolle als liebenswerter Sonderling reserviert. Ursprünglich hatte RTL vor, diesmal auch einen einsamen Homosexuellen nach einem Partner suchen zu lassen, aber offenbar fand sich kein geeigneter gleichgeschlechtlich orientierter Kandidat.

Die ledigen Landwirte wurden vom Sender aus zahlreichen Bewerbern ausgewählt und durften sich bei einem Scheunenfest jeweils zwei potenzielle Partner aussuchen, die sie zum Schnupperkurs auf ihren Hof einluden. Die Kameras sind dabei, wenn mal wieder eine solariumgegerbte Großstadtpflanze in Pumps angeekelt durch den Kuhstall stöckelt oder die Bauern beim Schäkern stottern wie Schulbuben. Es ist die unfreiwillige Komik ihrer Annäherungsversuche, die bis zu neun Millionen Zuschauer zieht - neben der Tatsache, dass die Dokusoap die Sehnsucht nach einer heilen Welt bedient: grüne Wiesen, blauer Himmel, niedliche Lämmchen und eine klares Rollenbild. Der Mann sitzt auf dem Trecker, und die Frau steht in der Küche.

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner wetterte zwar, dieses Bild sei unrealistisch, und Landwirte seien heutzutage viel fortschrittlicher. RTL kann's angesichts der Quoten egal sein. Längst gibt es außerdem CDs, Romane und ein Brettspiel zur Serie, und pünktlich zum Start erscheint ein Kochbuch mit Rezepten für deftige Landküche.

Sorgen macht sich unterdessen Moderatorin Inka Bause: Die bekennende Großstadtpflanze bangt, dass den Protagonisten ihre Popularität zu Kopf steigen könnte. Sie hoffe, dass nicht jeder Rinderwirt, Winzer oder Ziegenzüchter gleich eine eigene Platte veröffentliche wie Schäfer Heinrich, sagte sie in der ARD-Talkshow "Beckmann". Der schüchterne Westfale landete mit seinem skurrilen "Schäferlied" zwar einen Charterfolg, doch mittlerweile kräht kein Hahn mehr nach Heinrich - und eine Frau hat der 42-Jährige auch nicht gefunden.

RTL, montags, 21.15 Uhr
 

Cornelia Wystrichowski