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Überfälle auf Lkw-Fahrer

Die Gefahr lauert auf dem Parkplatz

09.11.2009 - aktualisiert: 09.11.2009 19:16 Uhr

Lkws bei Nacht
Auf den Rastplätzen werden immer mehr Lkw-Fahrer überfallen
Foto: Fotolia
Stuttgart - Kriminelle Banden aus Osteuropa haben ein neues Betätigungsfeld entdeckt: Parkplätze und Autobahnraststätten. Dank des steigenden Güterverkehrsaufkommens gibt es für sie dort immer mehr zu holen. Begehrt sind vor allem Lieferungen mit Elektroartikel und teuren Alkoholika.

Die Branche redet nicht gerne darüber, um keine schlafenden Hunde zu wecken. Jetzt hat aber der weltgrößte Versicherungsmakler Aon Alarm geschlagen: Dem Unternehmen mit Sitz in Hamburg wurden im zweiten Quartal 2009 nach eigenen Angaben 36,4 Prozent mehr Vorfälle gemeldet als im gleichen Vorjahresquartal. Ein dramatischer Anstieg. "Die Bedrohung geht von organisierten Kriminellen aus. Diese Lkw-Banden sind zunehmend gewalttätig", sagt Aon-Geschäftsführer Sven Erichsen. Europaweit verlören die Unternehmen jährlich über acht Milliarden Euro durch Diebstähle.

Kriminalitätsschwerpunkte sind traditionell Spanien und Frankreich (besonders der Großraum Lyon). Aber auch Deutschland als Transitland Nummer 1 ist stark betroffen - und hier vor allem Baden-Württemberg als geografische Mitte Europas. 2008 wurden landesweit 150 Fälle mit einem Schaden von 800.000 Euro angezeigt, 2007 waren es noch 114. Im laufenden Jahr werde sich die Entwicklung fortsetzen, teilt das Landeskriminalamt in Stuttgart mit.

Einer der Schwerpunkte ist die West-Ost-Achse, die A 6. Sie führt direkt Richtung Osteuropa - also dorthin, wo die meisten Banden beheimatet sind. Durch die weithin offenen Grenzen haben sie zumeist leichtes Spiel. Besonders begehrt sind Waren und Lieferungen ohne Registrierung, die sich auf Märkten und im Internet gut und unkompliziert weiterverkaufen lassen. Elektroartikel und teure Alkoholika stehen dabei ganz oben auf der Liste.

"Die Profis wissen ganz genau, was wann wo transportiert wird", sagt Andrea Marongiu, Geschäftsführer beim Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg. Überfallen werde also nicht wahllos, sondern gezielt. Und mit zunehmender Brutalität, das hat auch Marongiu von seinen Mitgliedsunternehmen mitbekommen. Die Gangster dringen entweder mit Knüppeln in die Führerkabine ein oder lassen durchs Fenster Schlafmittel ein, um den Insassen auf die sanfte Art zu überwältigen. Anschließend transportieren sie den kompletten Auflieger ab - häufig mit der eigenen Zugmaschine. Das Ganze dauert meist nur wenige Minuten und wird im Dunkeln der anonymen Rastanlagen kaum bemerkt.
 

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