Tübingen - Mehr als 100 Polizisten haben in Tübingen die Besetzung des größten Hörsaals der Universität nach einer Woche beendet. "Es war eine friedliche Atmosphäre und ein reibungsloser Ablauf", sagte ein Polizeisprecher. Am Nachmittag zogen rund 400 Studenten dann friedlich durch die Innenstadt und demonstrierten gegen die Bildungspolitik und überfüllte Hörsäle. Uni-Rektor Bernd Engler warf den Besetzern mangelnde Gesprächsbereitschaft vor. Die Südwest-Grünen kritisierten die Räumung.
Die Besetzung hatte vor einer Woche begonnen. Die Studenten beklagen die Überlastung der Studiengänge, soziale Ungleichheit im Bildungssystem, eine Unterfinanzierung der Universitäten und Probleme bei der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge.
"Wir sind bereit, berechtigte Forderungen aufzunehmen und in unsere eigene Planungen mit einzubeziehen", sagte Engler. Allerdings seien die Studenten nicht zu verbindlichen Gesprächen bereit gewesen. "Die Forderungen waren zum Teil so diffus und vage formuliert, dass es sehr schwer ist, da nähere Diskussionen einzugehen." Häufig sei das Rektorat in den Versammlungen der Studenten regelrecht vorgeführt worden.
Entgegen aller Vereinbarungen seien zuletzt auch häufiger Vorlesungen gestört worden. Am kommenden Wochenende sei der besetzte Hörsaal zudem vermietet - wäre die Veranstaltung durch die Aktion der Studenten ausgefallen, wären hohe Schadenersatzzahlungen auf die Uni zugekommen. Deshalb habe es keine Alternative zur Räumung des Hörsaals gegeben.
Die Studenten hatten zuvor eine Woche lang in dem größten Hörsaal der Universität geschlafen, gekocht und sich immer wieder in Gruppe zu Diskussionen getroffen. Das Rektorat hatte die Aktion zunächst geduldet - allerdings die Bedingung gestellt, dass keine Lehrveranstaltungen ausfallen dürften.
In Heidelberg, wo ebenfalls ein Hörsaal besetzt ist, war die Situation am Donnerstag nach Angaben einer Uni-Sprecherin noch immer friedlich. Eine Räumung sei nicht vorgesehen, obwohl die Aktion der Studenten illegal sei.
dpa/lsw