Stuttgart - Der Stuttgarter Autohersteller Daimler greift seinen Autohändlern zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Monaten finanziell unter die Arme. Seit Anfang November gleicht der Konzern Einbußen seiner Vertragshändler komplett aus, die sich wegen des Verfalls der Gebrauchtwagenpreise bei der Rücknahme von Leasingfahrzeugen ergeben. Bisher war der Herstellerbeitrag auf maximal sieben Prozent des Neuwagenpreises begrenzt. Bereits Ende 2008 hatte Daimler seine rund 90 selbstständigen Mercedes-Händler bundesweit mit rund 60 Millionen Euro unterstützt.
Den Umfang des erneuten Hilfspakets wollte der Autobauer nicht beziffern, räumte aber ein, dass dadurch das Ergebnis im vierten Geschäftsquartal 2009 belastet werden könne. Daimler hat ebenso wie BMW kaum vom Absatzboom durch die vom Staat geförderte Abwrackprämie profitiert, entsprechend stark sind die Preise bei den wenig gefragten Mittel- und Oberklassewagen in den Keller gerutscht. Binnen eines Jahres verlor ein drei Jahre alter Mittelklassewagen wie eine Mercedes-C-Klasse oder ein 3er-BMW nach Experten-Berechnungen im Schnitt zwölf Prozent an Wert. Darunter leiden insbesondere Autohäuser, die stark im Leasinggeschäft engagiert sind, da sie zurückgegebene Fahrzeuge nicht mehr zu den ursprünglich angenommenen Werten weiterverkaufen können.
Der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) begrüßt die Neuregelung bei Daimler und fordert andere Hersteller auf, dem Beispiel zu folgen. Ohne Lösung des Problems "könnten viele Händler in ihrer Existenz gefährdet sein", heißt es. Von Januar bis August hat sich das Sterben von Kfz-Händlern und Werkstätten beschleunigt. 891 Betriebe meldeten Insolvenz an - 22 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Petra Otte