Champions-League:
2:0 - Ein erlösender Sieg für die Roten
24.11.2009 - aktualisiert: 24.11.2009 23:13 Uhr
Glasgow. Die schwarze Serie der Roten hat ein Ende. Nach zehn Spielen ohne Sieg gab es endlich wieder etwas zu feiern. Der VfB Stuttgart gewann am Dienstagabend in der Champions League bei den Glasgow Rangers mit 2:0 (1:0). Rudy und Kuzmanovic trafen.
Spitzt sich die heikle Lage beim VfB um Teamchef Markus Babbel weiter zu? Oder gelingt endlich die Wende zum Guten? So berechtigt die Fragen vor jedem Spiel in den vergangenen Monaten auch waren - eine klare Antwort gab es nie. Aber jetzt - nach dem 2:0 gegen die Rangers war alles ganz anders. Nach dem Spiel im Ibrox-Park am Glasgower Edmiston-Drive mussten die Roten nicht wieder das Rosarot-Prinzip kultivieren: Verschweig das Schlechte, und erzähl nur von den guten Dingen. Diesmal gab es fast nur Positives zu erzählen. "Der letzte Sieg ist lange her, umso größer ist jetzt die Freude. Wir haben endlich wieder mutig nach vorne gespielt. Das hat mich besonders gefreut", frohlockte Manager Jochen Schneider.
Aber kommen wir zur Sache - dem Spiel: Am Mittwochabend griff Babbel wieder auf sein Lieblingssystem zurück: die Doppelsechs (Zdravko Kuzmanovic/Christian Träsch) im zentralen defensiven Mittelfeld, die durch Alexander Hleb und Sebastian Rudy flankiert wurde. Das Ziel war klar: Zunächst kompakt stehen, um dann immer wieder Nadelstiche zu setzen. Am besten so, wie Kuzmanovic noch kurz vor dem Anpfiff seinen Kollegen einschärfte: "Nicht viel nachdenken, wir dürfen keine Angsthasen sein." Arthur Boka muss man das eigentlich nicht sagen. Der Ivorer spielt immer mit Herz. Auch in der sechsten Minute, als er Cacau in Szene setzte. Aber der gebürtige Brasilianer scheiterte aus 17 Metern an Rangers-Keeper Allan McGregor.
Markus Babbel quittierte die Aktion dennoch mit eifrigem Klatschen. Denn diese Szene zeigte: Seine Mannschaft nahm das Schicksal in die Hand, spielte couragiert und dominant nach vorn. Auch in der 16. Minute: Nach einem gelungenen Angriff über die linke Seite landete der Ball plötzlich wie ein Geschenk vor den Füßen von Sebastian Rudy. Und was machte das 19-jährige Talent? Er sagte artig Danke und schob eiskalt zum 1:0 ein.
Ein Tor wie eine Erlösung. Befreit von aller Last, drängten die Roten auf das zweite Tor. Und hätte der Schiedsrichter-Assistent bei einer zweifelhaften Abseitsstellung von Matthieu Delpierre anders entschieden, stünde im Protokoll: 2:0, Torschütze Kuzmanovic. Eine Fehlentscheidung des Linienrichters? Mag sein. Der VfB ließ sich davon jedenfalls zunächst nicht bremsen. Cacaus satter Schuss (30.) knapp am Tor vorbei sollte ein Beweis dafür sein. Sollte ... Stattdessen schlich sich vor der Pause doch wieder der alte Schlendrian ein. "Einfache Fehler" (Jochen Schneider) der Roten machten die Rangers stark. Kris Boyd hatte prompt die Chance (35.) zum Ausgleich.
Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, mit welchen Worten Markus Babbel seine Spieler in der Kabine begrüßte: "Nicht nachlassen, aggressiv weiterspielen! Und nachlegen!" Sie haben gut zugehört: In der 59. Minute machte sich Rudy auf den Weg, um seinen Kollegen Kuzmanic den Ball auf den Kopf zu zirkeln - 2.0. Zwar hätten Cacau (75.), Pawel Pogrebnjak (78.), Boka (82.) und Juilian Schieber (87.) noch erhöhen können, aber Markus Babbel war auch so zufrieden: "Ein verdienter Sieg." In der Tat. Und nicht nur das. Damit hat der VfB sich zumindest für die Europaliga qualifiziert. Sollten die Roten auch noch das letzte Gruppenspiel gegen Unirea Urziceni (9. Dezember) gewinnen, stehen sie sogar im Achtelfinale der Königsklasse. Somit war es ein erlösendes Erlebnis in Glasgow. Aber ob der Erfolg auch alle Probleme löst? Eine Antwort darauf kann der VfB am Sonntag im Liga-Duell bei Bayer Leverkusen geben.
Julia Rapp