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Stuttgart 21

Bonatz-Enkel und Bahn verhandeln

Foto: dpa

Stuttgart - Die Deutsche Bahn AG und der Enkel des Hauptbahnhof-Architekten Paul Bonatz, Peter Dübbers, wollen im Januar weiter über den von der Bahn beim Projekt Stuttgart 21 geplanten Abriss der Seitenflügel des alten Bahnhofs verhandeln. "Wir wollen versuchen, mit der Bahn zu einer Einigung zu kommen", sagt der Kölner Rechtsprofessor Rainer Jacobs, der Dübbers vertritt. Gelinge dies nicht, werde geklagt.

 
 


Sein Mandant wolle den neuen Durchgangsbahnhof nicht grundsätzlich verhindern, sagt Jacobs, aber die Flügelbauten und damit den Bonatz-Entwurf als Ganzes erhalten. Dass dies möglich sei belege die Tatsache, dass 25 Prozent der beim Architektenwettbewerb zu Stuttgart 21 eingereichten 120 Entwürfe den Erhalt der Flügel vorgesehen hätten. Allerdings erreichte davon keiner die zweite Wettbewerbsrunde.

Jacobs nennt es "erstaunlich", dass bei der Planfeststellung für die neue Infrastruktur nicht an das Urheberrecht gedacht worden sei. Er hält eine Einigung mit der Bahn grundsätzlich für möglich: "Alle Beteiligten sind guten Willens." Sollte die Bahn den Tiefbahnhof-Entwurf des Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven aber wie geplant umsetzen, werde es zu einer Klage vor dem Landgericht Stuttgart kommen.

Auch eine einstweilige Verfügung gegen den Teilabriss wäre möglich. Der Streitwert kann vom Gericht bis zu einer Million Euro festgelegt werden. Verlöre Dübbers vor Gericht, könnte die Bahn einen Schadenersatzanspruch in dieser Höhe stellen. "Das sollte sich jeder überlegen", hatte Bahn-Chef Rüdiger Grube den Bonatz-Enkel gewarnt.
 

Konstantin Schwarz

22.12.2009 - aktualisiert: 23.12.2009 10:03 Uhr

 


Lesermeinungen
28.12.2009 15:01
Autor: Rainer Müller

Um die traurigen Hinterlassenschaften vom Teilabriss des Bonatzbaus und den umfangreichen Grabungsarbeiten in der Keuperlandschaft des Stuttgarter Stadtgebietes möglichst ortsnah entsorgen zu können, böte es sich doch an, einen weiteren Trümmerberg namens Monte Scherbelino II aufzuschütten.
Rund um die Villa Reitzenstein könnte man die dortigen Hügel sanft nachmodellieren und als Gipfelkreuz bzw. krönenden Abschluss nach oben, aufgeständert dem knallroten neuen Herzen Europas einen adäquaten Ehrenplatz zukommen lassen. Ob als Luftballon oder farbige Seifenblase bliebe noch zu klären.
Allerdings müsste dann auch die altehrwürdige, denkmalgeschützte Villa selbst plattgemacht werden, doch ich denke, auf einen weiteren Scherbenhaufen kommt es nun wirklch nicht mehr an.
Auf jeden Fall würde es terminlich und baulogistisch sehr gut passen, denn unser werter Landesvater verlässt ohnehin demnächst sein angestammtes Domizil und entsorgt sich selbst gen Brüssel.

 

26.12.2009 15:50
Autor: Stuttgart-Freund

Die Seitenflügel haben mit einem neuen Tiefbahnhof ihre Funktion verloren.
Allerdings hat die große und kleine Schalterhalle und vor allem die Kopfbahnsteighalle ebenso keine „Funktion“ mehr. Der komplette Bahnhof behält die Funktion als Baudenkmal europäischen Ranges, die unverwechselbare Stuttgarter Identität stiftet. Teile davon abzureißen wäre eine kulturelle Barbarei. Herrn Düppers und der engagierten Bürgerschaft Stuttgarts möge es gelingen, diese Kulturschande zu verhindern.

OB Dr. Schuster sagte im StN-Interview vom 11.12.: „ Das Hauptgebäude von Paul Bonatz und der markante Turm bleiben bei Stuttgart 21 erhalten und werden sogar aufgewertet.“ Es wäre sehr interessant zu erfahren, wie diese „Aufwertung“ aussehen soll. Schuster ist ja kraft Amtes der oberste Denkmalschützer von Stuttgart.

Die beste Aufwertung wäre die stilvolle Renovation des verlotterten Gebäudes und seine Befreiung von schnöder und großflächiger Werbung. Dass die Haupthalle mit Weihnachtsbuden vollgepfropft wird ist auch so ein elender Missbrauch und gleichzeitig die Einschränkung der eigentlichen Funktion als Verteilerhalle. Das Maxibanner „UNSER SCHÖNSTES GESCHENK“ veranschaulicht exemplarisch die verlogene S-21-Werbung.

 

23.12.2009 20:21
Autor: Interessierter

Warum sucht der Bonatz-Erbe so die Öffentlichkeit? Warum bringt er eine einstweilige Verfügung ins Gespräch bzw. lässt diese in Gespräch bringen?

Nun ganz offensichtlich weil er keine gar so starke Verhandlungsposition sieht. Die Bahn wird eine Schutzschrift beim zuständigen Gericht hinterlegt haben. Spätestens nach der Androhung! Und ein Argument ist, das er das ja dann schon viel früher hätte machen können!

Die Front der Haupthalle ist schützenswert. Wer den Rest für schützenswert hält der will vermutlich die ganze Silhouette der Heilbronner Straße unter Denkmalschutz stellen!

Aber da gehen die Meinungen auseinander!

Genauso bei den längst bekannten Zweifeln zu den Zahlen im Filstal. Nur da könnte man auch Interessen von dritter Seite unterstellen!

Was für die S21-Gegner spricht? Es scheint so, als würden die die bessere Medienpolitik machen! Wobei dann aber immer der Fehler gemacht wird, darauf hinzuweisen, das die Befürworter keine Argumente hätten! Das zeigt das man nicht wirklich schlagkräftige Argumente hat. Vor allem leben die genannten Alternativen wohl auch nur davon, das diese hoffentlich nicht umgesetzt werden müssen.

Wenn man den Kopfbahnhof sanieren möchte dann muss man das ganze Vorfeld bis zum Neckar sanieren. Auch nicht billig!

Ach ja und unser Wunsch-OB der zurzeit noch in Tübingen wirkt. Tübingen muss es ja glänzend gehen, wenn wir jetzt schon den Pre-OB-Wahlkampf anfangen! Steht eigentlich noch Rezzo Schlauch zur Verfügung?

 

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