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Vorwurf

"Schweinegrippe aufgebauscht"

28.12.2009 - aktualisiert: 28.12.2009 19:32 Uhr

Schweinegrippeimpfung im Katharinenhospital Im Bild Nils Müller
Foto: Piechowski
Berlin - Transparency International hat wegen der Schweinegrippe-Impfung schwere Vorwürfe gegen die Pharmaindustrie erhoben. Die Krankheit sei "katastrophenmäßig aufgebauscht" worden.

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Die Grippe habe sich als "Papiertiger entpuppt", sagte Anke Martiny, Vorstandsmitglied der Anti-Korruptions-Organisation. Sie äußerte den Verdacht, "dass es im Wesentlichen den Anbietern der Impfstoffe genützt hat". Zudem kritisierte sie die Verbindungen von Mitgliedern der Ständigen Impfkommission (Stiko), die die Schweinegrippe-Impfung empfohlen hat, zu Pharmaherstellern. Im konkreten Fall "hätte von der Stiko der Nachweis erbracht werden müssen, dass Interessenkonflikte keine Rolle spielten", so die frühere SPD-Abgeordnete. Die Bundesregierung bestätigte, dass sie afrikanische Länder bei der Bekämpfung der Schweinegrippe mit 14 Millionen Euro unterstützt.

Millionen Krankenversicherten drohen unterdessen die ersten Zusatzbeiträge. Im Jahresverlauf müssen wohl immer mehr die acht oder mehr Euro im Monat zahlen. Es könnte sogar noch teurer werden, sollte der Staat angesichts der ab 2011 greifenden Schuldenbremse den Geldhahn drosseln. Trotz eines einmalig um 3,9 Milliarden erhöhten Zuschusses fehlen den Kassen 2010 fast vier Milliarden Euro. "Wir wissen nicht, ab wann die Zusatzbeiträge in welchem Umfang genau kommen - dass sie kommen, ist aber gewiss", so Kassenverbandschefin Doris Pfeiffer. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kündigte am Sonntag mittelfristig die Reduzierung der Steuerfinanzierung für das Gesundheitswesen an.

Auch ein mögliches Aus der Praxisgebühr wird laut AOK Baden-Württemberg die Patienten finanziell nicht entlasten. Vorstandschef Rolf Hoberg: "Man muss genau hinschauen, ob im Geschenk nicht die bittere Pille der Leistungseinschränkung eingepackt ist." Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) stellte am Sonntag klar, dass die Praxisgebühr nicht ersatzlos abgeschafft werden soll. Im Koalitionsvertrag sei lediglich vereinbart, dass die Lenkungswirkung der Praxisgebühr überprüft wird.
 

Wolfgang Molitor


Lesermeinungen
31.12.2009 14:12
Autor: Jochen Wagner

Wurde die Schweingrippe aufgebauscht? Laut Ihrem Kommentator Reimund Abel vom 31.12.09 hatte die Politik gar keine andere Wahl als Impfstoffe und Antivirale Medikamente in riesigen Mengen einzukaufen, denn es hätten ja Menschen sterben können. Angeblich "reagierte die Bevölkerung mit Hysterie und Verunsicherung, als die Krankheit Deutschland immer näher kam". So ein Nonens, denn die Angst und Hyterie wurde allein von der Presse geschürt. Die Bevölkerung wollte sich überhaupt nicht impfen lassen, den wir alle erinnern uns noch gut an Vogelgrippe und SARS; Krankheiten die uns ebenfalls im Vorfeld medial aufgebauscht als tödlich verkauft wurden. Tote gab es so gut wie keine aber der Steuerzahler musste die Zeche zahlen. 50 Mio Impfdosen für Schweinegrippe zu acht Euo Einkaufspreis kosten mal eben läppische 400 Mio Euro für den Steuerzahler. Wenn man bedenkt, dass andere Länder ebenfalls kräftig Impfstoffe bestellt haben kann man hier getrost von einem Multimilliardengeschäft für einige Pharmariesen sprechen. Vielleicht sollten die Medien einmal wieder Ihrer Pflicht nachkommen und sauber recherchierten Journalismus bieten anstatt Lobbyistenmeldungen einfach zu übernehmen. Für mich ist die Schweinegrippe ein klarer Fall für die Staatsanwaltschaft.

 

30.12.2009 11:35
Autor: Bundy

So, die Pharmaindustrie ist schuld? Mag sein. Aber was ist mit der Presse? Nein, die hat am Aufbauschen natürlich überhaupt keine Schuld. Was ich hier vermisse, ist eine XXXXL-Portion an Selbstkritik.


 

29.12.2009 17:26
Autor: Wolfgang Scheu

Die Schweinegrippe aufgebauscht? Mit einiger Sicherheit - im Nachhinein gesehen. Schuldzuweisungen? Wer hätte es denn besser wissen müssen? Die Berater, wer auch immer diese sind vielleicht, die Entscheidungsträger, die massenhaft Impfstoff geordert haben wohl weniger - ihnen sollte man, ehe nicht das Gegenteil bewiesen ist zu Gute halten eher "falsch beraten" gewesen zu sein. Der Tenor der Wortmeldungen dürfte klar sein, hätten sie keine Vorsorge getroffen und wäre es tatsächlich zum vorhergesagten, apokalyptischen Ausmaß einer Schweingrippe-Epidemie gekommen. Auch den Medien ist m.E. kaum ein Vorwurf zu machen wenn man ihnen zugesteht, dass auch Journalisten in Puncto Epidemien lediglich das nachplappern können was ihnen suggeriert wird.
Trotz allem dürfte der Ausgang der Kampagne zusammen mit der Vogelgrippehysterie im letzten Jahr verheerend sein. Wer wird Warnungen vor Grippeepidemien in Zukunft wohl noch Glauben schenken? Stattdessen bleibt momentan lediglich der fade Beigeschmack, einer "simplen Werbekampagne" aufgesessen zu sein und hierfür im kommenden Jahr auch noch zur Kasse gebeten zu werden. Dazu noch die Gewissheit, dass das Gesundheitssystem ein Fass ohne Boden ist - und dies angesichts eines historisch niedrigen Krankenstands und eines ausgedünnten Leistungsspektrums! Das glaube ich allerdings schon heute nicht mehr!

 

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