Peter Glaser, 1957 als Bleistift in Graz, Österreich, geboren, wo die hochwertigen Schriftsteller für den Export hergestellt werden. Lebt als Schreibprogramm in Berlin.
Begleitet seit 20 Jahren als Schriftsteller und Mitglied des Chaos Computer Clubs die
Entwicklung der digitalen Welt.
Nichts ist, wie es scheint: auchder Cyberspace ist voller Leimruten und Sirenengesänge, die sittsame Surfer vom rechten Web abbringen.
War-Chalking nennt sich eine Mischung aus Hightech-Hinweis und den geheimen Zeichen mittelalterlicher Fahrensleute. Die "kriegerischen Kreidemarkierungen" entsprechen den Zinken der alten Landstreicher. Sie hinterließen an Hauswänden kleine Symbole, die anderen Tippelbrüdern anzeigten, was vor Ort zu erwarten war - Kost, Quartier oder Ärger.
Die Wandzeichen moderner War-Chalker weisen vorbeiflanierende Hacker darauf hin, wo man kostenlos in einem drahtlosen Computernetz eines Unternehmens mitsurfen kann. Die Local Area Networks (Lan) von Firmen gelten schon lange als Sicherheitsrisiken. Aber auch für Hacker ist das virtuelle Trittbrettfahren inzwischen nicht mehr ganz ungefährlich. Eine US-amerikanische Firma hat ein so genanntes Honeypot-System entwickelt, das durch ein absichtlich ungesichertes Funknetz Hacker anlockt, die, wenn sie sich in das System begeben, auch angepeilt werden können.
Zwar sollen durch diese Leimrutennetze nur die Ausmaße der Hackeraktivitäten ermittelt werden. Aber vor allem die US-Amerikaner sind seit dem 11. September, was Unregelmäßigkeiten im Umgang mit Computern angeht, ziemlich nervös geworden. Das Onlinemagazin "The Register" berichtet von einem Hacker aus Houston, der gezielt nach ungesicherten Funknetzen gefahndet und in einem Bezirksgericht fündig geworden war. Er informierte Betreiber und Presse über die Sicherheitslücke, aber seine Offenheit wurde ihm zum Verhängnis. Er wurde verhaftet.
Und das Internet hat noch andere Abwege parat. So lieferte der angesehene Informationsdienst "Intern.de" jüngst eine Netzadresse für Fußballfreunde, unter der sich ein Filmschnipsel mit einer spektakulären Parade des kolumbianischen Torhüters Rene Higuita beim Freundschaftsspiel Kolumbien gegen England fand. Kurz danach landete man jedoch statt auf dem grünen Rasen auf einer Porno-Site.
Abgelaufene, bereits benutzte Adressen werden gern von zweifelhaften Anbietern übernommen, um von der nachtröpfelnden Besucherfrequenz zu profitieren. "Intern.de" wurde Opfer einer neuen Masche. Die Adresse war, vermutlich gezielt lanciert, in verschiedenen von Enthusiasten betriebenen Web-Journalen aufgetaucht. Nach einer Woche, als bereits eine Vielzahl weiterer Links auf den kuckbaren Kicker verwiesen, wurde die Umleitung auf die Porno-Site aktiviert. Link!