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Leonhardsviertel

Mann im Rotlichtmilieu niedergestochen

Foto: Kraufmann

Stuttgart - In der Nacht zum Freitag ist in der Stuttgarter Altstadt ein 32-jähriger Mann von mehreren Unbekannten angegriffen, niedergeschlagen und mit einem Messerstich in den Bauch verletzt worden. Jetzt wird wegen eines versuchten Tötungsdelikts ermittelt.

Bei dem Opfer des Überfalls handelt es sich um den Mitarbeiter eines Bordells an der Weberstraße im Leonhardsviertel. Der als sehr kräftig beschriebene Mann verließ kurz nach Mitternacht das Haus Weberstraße 5a, wo er als sogenannter Wirtschafter, als branchenüblicher Aufseher, beschäftigt ist. In dem Haus mieten sich Damen des Milieus tage-, wochen- oder monatsweise ein und empfangen ihre Kundschaft.

Auf dem Weg in den benachbarten Nachtclub Edelweiss wurde das Tatopfer von mindestens sechs Unbekannten abgepasst und trotz heftiger Gegenwehr niedergeschlagen. Er erlitt Prellungen am Kopf und einen Messerstich in den Bauch. Die Täter, die angeblich alle schwarze Jacken trugen, rannten in Richtung Leonhardstraße davon.

In der Altstadt brodelt die Gerüchteküche

Passanten und ein hinzukommender Kollege des Opfers alarmierten die Polizei. Der Notarzt versorgte das Opfer; es bestand keine Lebensgefahr. Bei einer ersten Vernehmung im Krankenhaus gab der Verletzte an, keinen der Angreifer erkannt zu haben.

Die Hintergründe der Tat liegen nach Angaben von Polizeisprecher Olef Petersen weitgehend im Dunklen. Während in allen Richtungen ermittelt wird, brodelt in der Altstadt die Gerüchteküche. Die Hells Angels, die direkt gegenüber dem Tatort seit wenigen Monaten ihren Stuttgarter Clubtreff haben und sich noch am Freitag zu einer Sitzung trafen, weisen gegenüber der Polizei jeden Verdacht zurück und distanzieren sich von der Tat.

Ein anderes Gerücht besagt, dass es innerhalb des Milieus zu Revierstreitigkeiten gekommen sein könnte. Das sogenannte Laufhaus Weberstraße 5a, ein Bordell, das erst seit kurzem betrieben wird, nimmt offenbar der Konkurrenz Kunden weg - das Milieu klagt ohnehin über schlechte Geschäfte. Ein drittes Gerücht spricht von einer Gruppe jüngerer Zuhälter aus Osteuropa, die mit brachialen Methoden Teile des Gewerbes an sich reißen wollen.

Fest steht bisher nur, dass sämtliche Täter dunkle Jacken mit identischer Aufschrift trugen. "Ein gewisser Dresscode war vorhanden", sagt ein Ermittler. Zum Text des Aufdrucks gibt es allerdings widersprüchliche Zeugenaussagen. Eine eindeutige Gruppenzuordnung der Täter lässt sich daraus nicht ableiten.

Nicht ausschließen wollen die Ermittler ein anderes, banales Tatmotiv. "Bisher deutet wenig auf ein Verbrechen im Zuhältermilieu hin", sagt ein erfahrener Polizeibeamter, "das Motiv kann durchaus auch im privaten Bereich liegen." Ein schiefer Blick, ein blöder Spruch gegenüber einem Kunden? Alles ist möglich, alles vorstellbar. "Vielleicht hat das Opfer auch nur jemandem ans Auto oder ans Moped gepinkelt."
 

Klaus Eichmüller

05.02.2010 - aktualisiert: 05.02.2010 19:08 Uhr