Der eine wandert, der andere pilgert, der Nächste spaziert von Weinglas zu Weinglas. Weinwandern nennt sich das, wobei dieses Wandern meist wenig mit einem kernigen Fußmarsch zu tun hat. Eher ist es eine Genusstour durch Weinanbaugebiete.
Jede der 13 deutschen Weinregionen bietet attraktive Weinwanderwege, auf denen Genießer entlang der Weinreben oder durch die Weinberge spazieren und radeln können. Jetzt im Frühjahr hat sich die Landschaft für die Besucher richtig herausgeputzt: Bäume und Sträucher tragen endlich Blätter, auch die Reben treiben kräftig aus. In den nächsten Wochen und Monaten kann man auf einer solchen Wanderung die fleißigen Winzer bei ihrer Arbeit beobachten und dabei eine Menge über Weinbau lernen.
Die meisten Touren führen zudem an Sehenswürdigkeiten vorbei. Im Gebiet Saale-Unstrut lohnt zum Beispiel ein Abstecher in die Neuenburg und ins Weinmuseum, in Ingelheim in Rheinhessen beeindruckt die Kaiserpfalz. Ein Zwischenstopp in Städten wie Trier, Mainz oder Dresden unterbricht den Streifzug durch Weinberge, Täler und Flussläufe ebenfalls charmant. Die Touren sind abwechslungsreich: Hier mal eine Schifffahrt auf Rhein, Main, Elbe oder Mosel, dort ein Besuch eines romantischen Winzerdorfs, eine kleine Brotzeit mitten in der Landschaft oder in einer Weinwirtschaft, mal eine Verkostung auf dem Weingut.
Man kann auf eigene Faust losmarschieren oder spezielle Arrangements buchen. Auf vielen Wanderrouten sind Infotafeln aufgestellt, so dass Wanderer die Geschichte und Besonderheiten der Umgebung kennenlernen können wie etwa auf dem vier Kilometer langen Stein-Wein-Pfad bei Würzburg oder auch auf der Via Vinea in Rheinhessen.
Pauschalangebote enthalten meist Übernachtungen und Wanderkarten, manches Mal auch Verkostungen bei den Winzern. Achten sollte man auf den Gepäcktransfer, damit man nicht selbst schleppen muss. Die Routen sind sehr unterschiedlich, die Spanne reicht von kurzen Wegen ohne Steigungen über weite Touren für fitte Wanderer bis hin zu Aktivtouren: Klettern im Felsen, Nordic Walking, Kanufahrten auf den Flüssen oder unterwegs auf Inlineskates.
Auch ältere Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, können genießen: Die "Weinerlebnisbegleiter" rund um Saar, Mosel und Ruwer zum Beispiel bieten Touren an, bei denen die Gäste im Bus gefahren werden, mit Stopps bei Weingütern und Weinstuben. "Ich habe auch schon Rollstuhlfahrer bei meinen Touren dabeigehabt, das ist kein Problem", sagt Kerstin Pfitzer, eine Weinerlebnisbegleiterin. Wer eine Rarität kennenlernen möchte, macht sich auf den Sächsischen Weinwanderweg. Nur hier, im nordöstlichsten und einem der kleinsten Weinanbaugebiete Europas, wird die Rebsorte Goldriesling angebaut. Sächsische Weine sind in Deutschland jedoch selten zu bekommen. Die Sachsen trinken die geringen Mengen, die es von ihrem Wein gibt, vor allem selbst.
Deutschlands Weinregionen
Weinwandern in Deutschland Ausführliche Informationen zu jedem deutschen Weinanbaugebiet, zu Weinwanderrouten und Weinfesten bietet die Internetseite des Deutschen Weininstituts, www.deutscheweine.de. Unter dem Stichpunkt "Weintourismus" sind die 13 Anbaugebiete mit ihren Angeboten gelistet. Im Onlineshop kann dort auch für drei Euro die Broschüre "Wandern, wo der Wein wächst" angefordert werden mit ausgearbeiteten Touren, Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten und nützlichen Adressen.
Wein erleben Winzer, Gastronomen oder Quereinsteiger mit Fachwissen stellen Touren mit Schwerpunkt Kulinarisches, Geschichte, Kunst oder Natur zusammen. So wird im Weinberg gegrillt oder ein Picknick gemacht, es werden Burgen besichtigt oder Lesungen mit Wein verbunden. Weinproben gehören natürlich bei jeder Tour dazu.
Anbieter: Weinerlebnisbegleiter an Mosel, Saar und Ruwer, Kirsten Pfitzer, Telefon 06532/2130, www.weinerlebnisbegleiter.de; die Adressen der Weinerlebnisführer im Württemberger Weinland unter www.weinerlebnistour.de