FBI-Agent gegen Serienkiller - dieses Duell ist nicht neu. Ganz im Gegenteil: Die Hatz nach den irren Triebmördern gehört seit Jahren zu den beliebtesten Krimi-Genres. Auch Hollywood hat sich immer wieder gerne bei diesen Stoffen bedient. Einige der daraus entstandenen Filme - "Sieben" zum Beispiel - gehören gar zu den Besten der letzten Jahre.
Der Schriftsteller Michael Connelly ist ein alter Hase im Krimi-Geschäft. Er weiß sehr wohl, dass es längst nicht mehr reicht, einige rätselhafte, aber grausame Morde aneinander zu reihen um einen guten Thriller zu schreiben. Statt auf den Mörder hat er sich in seinem Roman "Blood Work" auf den Cop konzentriert.
Connelly zeigt uns einen angeschlagenen Helden, der nach einer Herztransplantation sein zweites Leben beginnen möchte. Doch er wird schnell von seiner Vergangenheit eingeholt. Das Herz, das nun in seiner Brust schlägt, gehörte einst einer Frau, die bei einem Raubüberfall getötet wurde. Der Ex-FBI-Agent Terry McCaleb macht sich als herzkranker Privatmann auf die Suche nach den Hintergründen - und wird bald schon mit seinem früheren Leben konfrontiert.
Der Roman zieht über weite Teile seine Spannung aus der intelligenten Ausgangssituation: der kranke FBI-Agent im Kampf gegen das Böse und gegen seinen eigenen Körper. Das ist eine wirklich gute Idee. Hinzu kommt, dass Connelly nicht nur ein überaus routinierter Schreiber ist, der sehr wohl weiß, wie er den Spannungsbogen quasi filmreif inszenieren muss; der Autor ist zudem ein Wortjongleur, der zwischen einer Frage und deren Antwort durchaus mehrseitige Nebenhandlungen entspinnen kann ohne dass auch nur eine Sekunde lang der Eindruck entstünde, hier wolle jemand Zeit und Seiten schinden. In der Regel aber kommt Connelly sprachlich schnell zur Sache und sein Roman, obwohl über 400 Seiten stark, liest sich leicht und schnell.
Auch der Regisseur und Schauspieler Clint Eastwood fand das 1997 in den USA erschienene Buch überzeugend. Er verfilmte es und übernahm in "Blood Work" sogar die Hauptrolle. Als Roman zum Film ist Connellys Thriller bei nun ein zweites Mal Heyne erschienen - zuvor war das Buch schon als "Das zweite Herz" auf dem Markt. Die Filmausgabe enthält noch 16 Bildtafeln mit Fotos aus dem Film. Die allein wären den Kauf des Buches nicht wert - der Roman aber ist es allemal.
Thomas Schneider