Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 23.01.2003
My Big Fat Greek Wedding
Eine große, allzu glückliche Familie
Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
Wundersame Wandlungen lieben die Menschen. Besonders Hans Christian Andersens Märchenvorlage vom hässlichen Entlein, das zum schönen Schwan heranreift, eignet sich für die klassische romantische Komödie. Wenn dieses Märchen auch noch wie in Joel Zwicks "My big Fat Greek Wedding" mit dem US-amerikanischen Alles-ist-möglich-wenn-du-es-nur-willst-Mythos kombiniert wird, scheint die schaurig schöne Herzschmerzunterhaltung perfekt.
Toula Portokalos (Nia Vardalos), die 30-jährige Tochter griechischer Einwanderer in den USA, ist anders als ihre Schwester und anders als die Griechinnen, die sie kennt. Sie ist schüchtern, verdruckst, wenig attraktiv, und sie wohnt noch zu Hause. Ansonsten bewegt sie sich wie ihre hübschen Schwestern in einem griechischen Kosmos: griechische Schule, griechischer Familienclan, griechischer Ehemann. Platz für andere Nationalitäten gibt es da nicht, auch wenn sie sich für ein Leben in den Vereinigten Staaten entschieden haben.
Toula weiß, was von ihr erwartet wird. Heiraten soll sie, und zwar am besten einen Griechen, und das möglichst bald. Als sie den durch und durch amerikanischen Smart Boy Ian (John Corbett) kennen lernt, will sie allerdings nur eins: ihn erobern und heiraten. Nach einigen Änderungen im Outfit und im Job gelingt ihr das auch. Einzig das größte Hindernis wäre da noch zu bewältigen: Die griechische Familie, allen voran ihr Vater Gus (Michael Constantine), mag sich mit Toulas Auserwähltem nicht anfreunden.
In den USA hat diese Low-Budget-Produktion innerhalb weniger Wochen die Charts gestürmt, man will den Film nun auch noch als TV-Serie produzieren. Das überrascht. Zum Ersten, weil hier in den Hauptrollen keine Stars agieren, zum Zweiten, weil die dargestellte Gesellschaft kaum Identifikationsangebote für den Durchschnittsamerikaner macht. Und zum Dritten, weil diese Komödie nichts wirklich Neues zu bieten hat. Es gibt ein paar amüsante, komische Situationen und einige wenige halbwegs treffsichere Pointen.
Dennoch überwiegen Klischee und Slapstick. Die Hopplahopp-Verwandlung Toulas vom hässlichen, verhuschten Entchen zum schönen, selbstbewussten Schwan vollzieht sich genauso wenig überzeugend wie ihre allzu zügige Eroberung des smarten Ian, der eher den Eindruck eines Lebemanns als eines Ehemanns in spe macht.
Das Aufeinanderprallen zweier Kulturen wird allzu glücklich gelöst. Tja, da sind wir eben alle mal wieder eine große, harmonisch glückliche Familie.
Eva Maria Schlosser
23.01.2003 - aktualisiert: 27.01.2003 09:41 Uhr