Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 09.01.2003
Die Herrschaft des Feuers
Modernes Drachentötermärchen
Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
Ein Junge entdeckt im London der Gegenwart einen riesigen Drachen. Erst einmal geweckt und aus seiner Gruft befreit, macht sich das feuer speiende Ungetüm auf, alle Städte des Planeten in Schutt und Asche zu legen. Nur wenige überleben - auch der Entdecker Quinn (Christian Bale).
Erwachsen geworden, schart er Kinder und Freunde in einer alten Burg um sich und lehrt sie, dem mächtigen Lindwurm zu entgehen. Doch der hat sich inzwischen hundertfach vermehrt. Eines Tages taucht eine Truppe Drachentöter vor den Toren auf und ruft die hilflose Gemeinde zum Feldzug gegen den Feind auf.
Die Kulissen, Special Effects und Kamerafahrten in Rob Bowmans "Herrschaft des Feuers" sind ein Augenschmaus. Auch die Schauspielerleistungen sind sehr ordentlich. Das Erwachsenenmärchen entbehrt jeglicher Selbstironie, doch das stört nicht nur nicht, es ist Programm.
Zwar stirbt man beim folgen des Erzählstrangs nicht an geistiger Überforderung - aber sollte man dies einer modernen Drachentötergeschichte vorwerfen, wo sich doch klassische Märchen gerade durch einen einfachen, aber hochgradig allegorischen Plot auszeichnen?
So rufen hier Bilder von zerstörten Städten, von verängstigten Menschen in dunklen Kellern Erinnerungen an vergangene, aktuelle und befürchtete Kriege hervor.
Gerade in unserer Zeit, der mit dem Ende des Ost-West-Konflikts die Feindbilder zunächst verloren gegangen waren und nun mit dem Terror wieder entdeckt scheinen, darf die Attacke unvermuteter Gefahren und deren Bekämpfung durch eine solidarisierte Gemeinschaft nicht so fremd anmuten. Und letztlich wirft der Film nur eine Frage auf: Sind wir, um unseren Untergang zu besiegeln, auf die Hilfe fliegender Feuerspucker angewiesen, oder schaffen wir das nicht ohnehin ganz alleine?
Steffen Beck
09.01.2003 - aktualisiert: 24.01.2003 17:04 Uhr