Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 30.01.2003
And Now ... Ladies and Gentlemen
Reise mit Kopfschmerzen
Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
Claude Lelouchs großes Thema ist die schicksalhaft wirkende Begegnung von Mann und Frau, der produktive und erfolgreiche Filmemacher reflektiert vornehmlich Liebe und Verlust. In "And Now ... Ladies and Gentlemen" treffen die Barsängerin Jane (Patricia Kaas) und der Meisterdieb Valentin (Jeremy Irons) aufeinander.
Beide leiden unter Gedächtnislücken. Jane misstraut der Schulmedizin und reist nach Marokko - um zu vergessen, vielleicht auch, um Alternativen zur Heilung zu finden. Äuch Valentin verlässt überstürzt seine Freundin und segelt auf einer Jacht nach Marokko. In der Hafenstadt Essaouira finden sich die beiden. Eine Reise durch die Landschaft Marokkos beginnt, die zugleich eine Reise ins Innere der Protagonisten ist.
Kaas wirkt in ihrer erster Filmrolle künstlich, betont melodramatisch, ihre Gesangseinlagen sind von gewohnter Qualität, wirken aber im filmischen Kontext kitschig. Irons als Juwelendieb, der sich als reiche Dame, dann wieder als zittriger alter Herr oder als dynamischer Inspektor verkleidet, um trickreich an seine Beute zu kommen, hat zunächst den komischen Part, doch sein Spiel gleicht sich später dem dramatischen Grundtenor des Films an.
Claude Lelouch hat Genres kombiniert und ein modernes Märchen geschaffen. Dabei geht er weder chronologisch vor, noch zieht er klar Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit, Vergangenheit und Gegenwart. In welche Richtung sich die Handlung bewegt, wird spät, und nur andeutungsweise klar. Das Resultat ist eine typische Lelouch-Melange, ein symbolbeladener Kunstfilm, den man durchaus auch als kitschig empfinden kann.
Eva Maria Schlosser
30.01.2003 - aktualisiert: 30.01.2003 10:05 Uhr