Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 20.02.2003
Karlsson vom Dach
Ein Egomane lehrt das Freisein
Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
Der kleine Lillebror (kleiner Bruder), ein liebenswerter Knirps, möchte einen Hund - ein Wunsch, der in vielen Familien für Konflike sorgt. Lillebror fühlt sich allein gelassen und ist selig, als eines Tages ein witziges Männchen mit einem Propeller auf dem Rücken in sein Kinderzimmer schnurrt. Karlsson ist ein Aufschneider, ein Hypochonder, ein Egomane. Aber mit seiner Hilfe wächst Lillebror, unternimmt Ausflüge über die Dächer der Stadt und lernt, was Freisein und sich behaupten heißt.
Doch die Idee (von Astrid Lindgren) wird in dieser Trickfilmumsetzung zur Geschmackssache. Die Figuren wirken holzschnittartig, die Farben verwaschen, die Rollenbilder der Familie bleiben altmodisch. Lillebrors Vater ist konfliktscheu, seine Frau ein Mütterchen am Herd. Den Hundekonflikt löst der Vater, indem er sich stumm hinter der Zeitung versteckt, die Mutter, indem sie ihrem Lillebror wie einem Dummchen den Hinterkopf streichelt. Trotzdem: Lindgrens hintergründig pädagogische Motive lassen alle Figuren - unabhängig von der künstlerischen Fassung - sympathisch erscheinen.
Brigitte Jähnigen
20.02.2003 - aktualisiert: 20.02.2003 11:57 Uhr