Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 27.02.2003
About Schmidt
Tristes Leben an der Oberfläche
Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
About Schmidt" schafft einen schwierigen Spagat: Der Film ist eine Komödie und ein Drama der Verzweiflung gleichzeitig. Im Angesicht eines möglichen baldigen Todes und eines leeren Lebens dreht Warren Schmidt durch - allerdings nur so weit, wie es ihm die Konventionen erlauben.
Der 66-jährige Versicherungsfachmann wird in die Rente geschickt, im Büro braucht ihn niemand mehr. Daheim sieht er sich mit seiner Frau Helen (June Squibb) konfrontiert, die ihm fremd geworden ist, der er nichts zu sagen hat. Überhaupt weiß er eigentlich gar nichts mehr mit sich selbst anzufangen. Als dann auch noch die Gattin plötzlich einen Schlaganfall erleidet und Schmidt allein und vereinsamt zurücklässt, klammert er sich an dieses letzte Ziel in seinem Leben: die Hochzeit seiner geliebten, aber entfremdeten Tochter Jeannie (Hope Davis) mit einem Wasserbettenhändler (Dermot Mulroney) zu verhindern. Schmidt steigt also in ein überdimensioniertes Wohnmobil und tritt die Reise nach Denver an - wo er wieder versagen wird.
"About Schmidt" ist ein lustiger und schmerzhafter Film über das triste Amerika des Mittleren Westens, über die Provinz, über das Alter und darüber, wie wir uns und andere belügen. Alexander Payne und Jim Taylor haben ein kluges Drehbuch nach dem Roman "Schmidt" von Louis Begley geschrieben. Regisseur Payne hat mit wolkenverhangenen Himmeln, grauen Landschaften, hässlichen Bürogebäuden, traurigen Campingplätzen und kaputten Tankstellen die Stimmung passend eingefangen und die Schauspieler allesamt zu wunderbaren Leistungen animiert.
Jack Nicholson spielt diesen Warren Schmidt mit Komik und Witz, doch richtig sympathisch macht er diesen Mann, der sein Leben an der Oberfläche hat dümpeln lassen, nicht. Seine Tochter zum Beispiel gibt keinen Pfennig auf seine Meinung: Er muss zusehen, wie sie diesen Mann heiratet und damit Mitglied einer Spießerfamilie wird, die für ihren Vater der reinste Albtraum ist und die auch auf den Zuschauer zumindest komisch wirkt.
Den einzigen ehrlich gemeinten Kontakt zur Menschheit hat der Rentner zu einem sechsjährigen Afrikaner namens Ndugu. Er hat für den Jungen eine Patenschaft übernommen und erzählt ihm in Briefen sein Leben: Es ist die Geschichte des Versagens, die durch einen fahrlässigen Umgang mit dem Leben zu vielen Menschen passiert.
Alexia Angelopoulou
27.02.2003 - aktualisiert: 27.02.2003 13:32 Uhr