Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 28.08.2003
Wrong Turn
Grusel aus dem Hinterwald
Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
Grusel ist angesagt, und zwar blutiger Horror. Tatort ist, wieder einmal, die US-Provinz, genauer gesagt: West-Virginia mit seinen finsteren Wäldern und seinen wilden Hinterwäldler-Killern und Kannibalen.
Die Schublade, in der stumpfsinnige Hollywood-Produzenten und gleichgesinnte Regisseure ihre Schreckgespenster finden, hat einen tiefen Boden. Fantasie ist nur selten gefragt. Und Logik ist ein schönes Wort, aber bei Leuten, die Monster für Menschen ausgeben, nicht besonders beliebt. Und wer braucht schon ein Drehbuch mit glaubhafter Geschichte, wenn er der Meinung ist, dass blutige Fratzen ausreichen, um dem Zuschauer Furcht einzujagen?
Für die mordenden Monster, die hier gegen drei im Walddschungel herumirrende Stadtpärchen zur Menschenhatz aufgeboten sind, findet man im Film kein deutendes Wort, kein klärendes Bild. Diese durch das düstere Dickicht irrlichternden "Holzfäller" - wohlgemerkt: keine vom Himmel gefallenen Aliens, sondern in "God’s Own Country" aufgewachsene Bürger des Staates - massakrieren mit Wollust alles, was nicht so schmuddlig aussieht wie sie selbst.
Und darum verdient in diesem schrecklichen Streifen nur einer, dass man ihn beim Namen nennt: der Maskenbildner und "Oscar"-Preisträger Stan Winston, dem es großartig gelingt, den mit Flinte und Axt, Pfeil und Bogen hantierenden Monstern jede Menschlichkeit auszutreiben.
Otto Kuhn
28.08.2003 - aktualisiert: 28.08.2003 10:17 Uhr