Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 28.08.2003
Agent Cody Banks
Kleiner Mann ganz groß
Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
Zack! Zack! Den Bösewichten mit den Hacken eins auf die Mütze geben. Zu den Damen stets galant, ein Händchen für die Technik - und fertig ist der Superspion. Diesmal geht zwar nicht der mit der Olive im Martini-Glas an den Start, sondern ein pubertäres Bürschlein aus Seattle, sonst aber bleibt alles beim Alten. Ein Bond für ganz junge Jugend also.
Das vom CIA ausgebildete geheime Nachwuchstalent Cody Banks soll in dieser Komödie einem von grimmen Schergen umgebenen Weltherrscher in spe das Handwerk legen. Jener will mittels allesfressender Nano-Roboter ein schlimmes Durcheinander anrichten.
Damit der Mini-Agent, der nebenher auch noch ein Leben als ganz normaler Teenager führen soll, die schwere Aufgabe nicht mit leeren Händen angehen muss, hat ein freundlicher Geheimbastler allerlei Werkzeug angefertigt: Saugnapfschuhe zum An-der-Decke-gehen sowie eine praktische Röntgenbrille, die auch durch die Kleidung der Projektleiterin dringt. Derart gewappnet, wird Cody auf die Menschheit, sprich: auf das hübsche Töchterchen des vom bösen Dr. Brinkman missbrauchten Wissenschaftlers losgelassen.
Kleine Anspielungen auf die 007-Filme sind ganz witzig - wie das Skateboard, Marke BMW. Zu viele Szenen sind indes wie aus den Abenteuern des großen Vorbildes abgepaust. Flacher Klamauk der dümmlicheren Sorte garniert das aufgegossene Geschehen, das auch nicht ganz ohne lästige Kampfchoreografie auskommt. Doch die Hoffnung stirbt im Kino bekanntlich zuletzt. Vielleicht sind ja auch solcherlei Untiefen ebenso augenzwinkernd gemeint wie die Musik im Bond-Stil und die Agentenlaufbahn - Cody hatte lediglich ein Spionagemagazin abonnieren wollen. Doch Zweifel bleiben.
Auch die kindlichen Helden töten guten Gewissens, wenn es um die Sache geht, und am Ende erfährt Cody sogar militärische Ehrungen. USA, USA!
Harald Zwats Werk ist eine mäßig unterhaltsame, einigermaßen flotte TeenieKomödie ohne großen Tiefgang. Warum auch.
Henning Dedekind
28.08.2003 - aktualisiert: 28.08.2003 10:22 Uhr