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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 18.09.2003

Identität

Die Albtraumfabrik lebt

Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
 

Nacht. Ein gottverlassenes Motel in der Wüste. Es regnet Hunde und Katzen. Die Straßen sind unpassierbar. Zehn wildfremde Personen suchen Zuflucht. Wenn das mal keine gute Situation für einen Thriller ist - und tatsächlich beginnt sich die zusammengewürfelte Population schräger Typen rasch zu dezimieren.

Es rumpelt dumpf aus dem Wäschetrockner, nachdem die abgehalfterte Schauspielerin verschwunden ist. Der Streit zwischen den frisch Vermählten endet mit viel tiefem Rot an den Wänden. Und jedesmal findet sich bei der Leiche ihr Zimmerschlüssel - schön von zehn absteigend. Aber noch mehr stimmt nicht an diesem Ort: Als der Überführungshäftling seiner Obhut entwischen kann, rennt er durch die Wüste, sieht Lichter, freut sich über seine Flucht und kann dann nicht glauben, wo er ankommt.

Die Ähnlichkeiten zu den "Zehn kleinen Negerlein" ist bei "Identität" rein formal. James Mangold, dem man das nach einer Schmonzette wie "Kate und Leopold" nicht zugetraut hätte, hat hier einen enorm spannenden, verstörenden Schocker inszeniert. Es fließt zwar Blut, doch den größten Effekt erzielt der Film mit der psychotischen Wirkung von beunruhigenden Schnitten, Rückblenden, einer Nebenhandlung, die nicht zur Story zu passen scheint und der unwirtlichen Atmosphäre.

Dazu ziehen John Cusack und Ray Liotta als finstere Aufklärer in ihren grausigen Bann, wie auch der Rest der Darsteller zu überzeugen vermag. Nach viel Teenie-Horror-Klamauk endlich wieder ein ernsthafter Thriller aus der Albtraumfabrik, den man auch ernst nehmen kann.
 

Steffen Beck

18.09.2003 - aktualisiert: 18.09.2003 13:02 Uhr

 


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