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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 25.09.2003

Once Upon A Time In Mexico

Kein würdevoller Abgang

Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
 

Die Versuchung, Erfolge zu wiederholen, muss unendlich groß sein - trotz bekannter Risiken. George Lucas etwa arbeitet seit zwei Filmen daran, seinen "Star Wars"-Mythos zu zerstören, und die "Matrix" geriet schon in Teil zwei in erhebliche Schieflage.

Robert Rodriguez ereilt der Blackout just in dem Moment, in dem er im Film-Eldorado Hollywood aus dem Vollen schöpfen darf. Mit einfachsten Mitteln drehte er 1992 "El Mariachi", die Geschichte eines Gitarristen in Mexiko, den ein Drogenboss mit einem Killer verwechselt, welcher seine großkalibrigen Waffen in einem Gitarrenkoffer transportiert. In der Fortsetzung "Desperado" (1995) inzenierte er, nun schon mit Antonio Banderas und Salma Hayek in den Hauptrollen, eine aufgeblasene, stilisierte Version davon, in der er das Geballer in Großaufnahme und Zeitlupe so übertrieb, dass der Film grotesk wirkte wie eine sanfte Selbstparodie. In Teil drei geht er noch einen Schritt weiter - und der führt über die Kante.

Diesmal ist ein CIA-Agent hinter einem Drogenbaron her, der per Gesichtsoperation in die Anonymität flüchten möchte - anders als früher also keine distanzierte, surreal-verschlafene mexikanische (Alb-)Traumwelt, sondern ein ganz gegenwärtiges Szenario, in dem das pausenlose Morden mit unzähligen Kugeln (eine Kirche wird buchstäblich durchsiebt) plötzlich sehr real und gar nicht mehr komisch wirkt. Wer möchte noch lachen, wenn dem CIA-Mann (sehr bemüht: Johnny Depp) beide Augen ausgestochen werden und Rodriguez ihn fürderhin wie in einer Klamotte gegen Pfähle rennen lässt?

Tragisch, dass ausgerechnet diesmal der Titel nicht zum Genre passt (Sergio Leones "Spiel mir das Lied vom Tod" hieß im Original "Once Upon A Time In The West"), denn dies ist mitnichten ein Neo-Westerns, sondern ein knüppelharter Action-Thriller. Wer aber Gangster mit großen Kanonen sehen will, ist bei John Woo ("Face Off") besser aufgehoben, und gegenüber Filmen wie Steven Soderberghs "Traffic" wirkt die Drogenthematik hier wie eine Ausrede.

Antonio Banderas, der die Kunstfigur des stolzen Mariachi bravourös spielt, wirkt in dieser Umgebung deplatziert, wie ein Relikt aus einer besseren Zeit, als die Illusion noch funktionierte. Und Rodriguez lässt seinen Racheengel mit dem Gitarrenkoffer nicht etwa erkennen, dass er ein Auslaufmodell ist, lässt ihn nicht in Würde abtreten, sondern verrät ihn, missbraucht ihn als folkloristischen Schmuck für eine sinnfreie Gewaltorgie.

Dieser Film ist nicht nur das Abziehbild von anderen, die er seelenslos zitiert - er ist sein eigenes. Ohne es zu wollen freilich, und das ist das Schlimmste.
 

Bernd Haasis

25.09.2003 - aktualisiert: 25.09.2003 11:31 Uhr

 


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