Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 09.10.2003
The Good Thief
Kaum Luft zum Atmen
Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
Bob (Nick Nolte), ein alternder, nicht nur durch Heroinkonsum heruntergekommener Spieler, ist auf der Suche nach seiner Selbstachtung. Da tun sich dem in Südfrankreich lebenden Amerikaner plötzlich die Chancen seines Lebens auf: Er könnte eine 17-jährige Russin (Nutsa Kukhianidze) aus dem Sumpf der Zwangsprostitution retten und zugleich in einem wahnwitzigen Coup ein Casino in Monte Carlo erleichtern.
Alles dreht sich nun darum, der überall präsenten Polizei und den treulosen Verbündeten gleichermaßen falsche Fährten zu legen, um im rechten Moment schließlich doch am rechten Ort zu sein.
Nolte, selbst im Umgang mit weltlichen Genüssen nicht ganz unerfahren, verkörpert die Rolle des süchtigen Verlierers hervorragend. Leider weist das Drehbuch böse Mängel auf. Allzu leicht erscheint der selbst auferlegte Entzug im eigenen Bett, allzu glatt läuft der Plan, allzu gutherzig ist der Mensch Bob mit seiner skurrilen Gauner-mannschaft, der sich eben noch als Abziehbild des einsamen Wolfes in den Nachtclubs der Riviera herumgetrieben hat. In weiten Teilen ist dieser Film nichts weiter als zweitklassiges "Rififi"-Remake.
Der trotzdem mögliche, grandiose Schauspielerfilm hat kaum Luft zum Atmen, der innere Kampf des Protagonisten bleibt weit gehend verborgen. Jammerschade, zumal sich hie und da allerlei tief schürfende Fragen um Schuld, Sinn oder Erlösung stellen ließen. Über matte Andeutungen hinaus werden diese indes nicht entwickelt, und so bleibt Neil Jordans Werk in der Mittelmäßigkeit stecken.
Henning Dedekind
09.10.2003 - aktualisiert: 09.10.2003 10:36 Uhr