Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 30.10.2003
Das Geheimnis von Green Lake
Moderne Legende
Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
Weil Stanley Yelnats ein Paar Turnschuhe auf den Kopf gefallen ist, wird er als vermeintlicher Dieb zu 18 Monaten Haft in der Erziehungsanstalt Green Lake verdonnert, dem eine unsagbar böse, ihre Nägel mit Klapperschlangengift lackierende, Cowboystiefel tragende Domina (Sigourney Weaver) als Chefin vorsteht.
Der Unglücksrabe akzeptiert die kafkaeske Ungerechtigkeit mit fatalistischem Gleichmut, denn er hat längst verinnerlicht, dass seine Familie vom Pech verfolgt ist. Und das stimmt: Zufälle gibt es nicht in dem exzentrischen Kindermärchen "Das Geheimnis von Green Lake", dessen magisches Weltbild von raffinierten Querverbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart durchwoben ist. Andrew Davis gelingt die Balance zwischen surrealem Eskapismus und glaubhaftem Realismus, zwischen alten und modernen Legenden, wenngleich fast zu viele Geschichten ihre Kreise in der Verfilmung des Jugendbuchbestsellers "Holes" ziehen, der unter dem Titel "Löcher" auch hier viele Fans hat.
Birgit Roschy
30.10.2003 - aktualisiert: 30.10.2003 10:34 Uhr