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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 04.12.2003

Heimliche Spiele

Jenseits von Scham und Angst

Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
 

Der fotografische Eye-Catcher auf dem Filmplakat wird seiner Bedeutung in verlockendem Maße gerecht: Zwei attraktive Frauen werden von einem Mann beim erotischen Spiel beobachtet. Doch hinter schwarzen Kleidern, nackter Haut und Zärtlichkeiten verbirgt sich ein Kalkül: Nathalie und Sandrine sind kein lesbisches Paar. Sie benutzen ihre Sexualität, um beruflich Karriere zu machen. Und Christophe, der Voyeur, ist der künftige Firmenchef.

"Heimliche Spiele" ist ein opulentes Filmwunder der Grenzüberschreitungen in betörend sinnlichen Bildern. Nicht, weil Nathalie und Sandrine mit Tricks und vorgetäuschten Orgasmen ihre Vorgesetzten unter Kontrolle bringen wollen, um sich aus der Misere ihres Alltags als Stripperin und Barfrau zu befreien. Eher, weil Regisseur Jean-Claude Brisseau die Protagonistinnen etwas tun lässt, was sich andere gar nicht erst vorstellen mögen: Um sich "fit" zu machen für ihr Vorhaben, testen sie sich selbst im Überschreiten von Scham und Angst. "Wir werden alle von Trieben geleitet, die wir befriedigen wollen", sagt Brisseau.

Wie kommt es, dass wir trotzdem auf die Befriedigung verzichten? Brisseau sucht die künstlerische Antwort in der Mystik der Sexualität. Der Sohn des Firmenchefs hingegen leugnet Gott und wird zur Inkarnation des Bösen. Seine Antiwelt zum Paradies: Menschen wie Würmer im ewigen Beischlaf miteinander verknäult, fast ein Fluch?

Das Ganze könnte pseudoreligiös oder moralisch nennen - wenn der Regisseur nicht Brisseau hieße. Der lässt seine Frauen nicht untergehen.
 

Brigitte Jähnigen

04.12.2003 - aktualisiert: 04.12.2003 10:58 Uhr

 


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