Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 11.12.2003
Sams in Gefahr
Retter in der Turnstundennot
Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
Neue Abenteuer des Sams aus der Feder von Paul Maar erwartet manch ein Kind ähnlich sehnsüchtig wie ältere Cineasten die nächste Folge von "Herr der Ringe". Doch wie schade: "Sams in Gefahr" ist nur halb so lustig wie der erfolgreiche Vorgänger. Und das liegt an der dünnen Geschichte, die mit wenigen Neuigkeiten, aber dafür mit vielen Wiederholungen aufwartet.
Herr Taschenbier ist, wie wir alle wissen, glücklich verheiratet und hat nun einen Sohn. Das Sams ward ganze elf Jahre nicht gesehen. Doch dann ist wieder Sams-Alarm: Denn erstens sehnt sich Herr Taschenbier nach der wunschpunktigen und schweinsnasigen Rotznase, und zweitens braucht das schüchterne Söhnchen Martin dringend einen Freund. Er wird von seinen Klassenkameraden gemieden und von seinem Turnlehrer nahezu sadistisch gequält. Also trinkt Herr Taschenbier das Elixier, das nur dafür bestimmt ist, das Sams zurückzuholen. Und da es einmal da ist, ist auch klar, dass in seiner Umgebung wieder so einiges Wunderliche geschieht - sehr zur Freude von Martin und zum Ärger des Turnlehrers.
Die Darsteller geben sich wieder alle Mühe, und es ist sehr sehenswert, wie Ulrich Noethen alias Taschenbier von unsichtbaren Kräften geleitet schier Unmögliches vollbringt, wie beispielsweise eine rasante Skaterfahrt, die selbst den coolsten Skater vor Neid erblassen lassen würde. Das freche Sams hat mit Christine Urspruch schon im ersten Teil seine Meisterin gefunden, und auch die übrigen Rollen sind zum größten Teil bewährt besetzt. Neu in der Sams-Clique ist Dominique Horwitz, der hier wohl den fiesesten Lehrer aller Zeiten spielen darf, und Jasmin Tabatabai, die ihm schöne Augen macht und die gemeinsam mit Nena den Titelsong gesungen hat.
Doch allein die Starbesetzung kann die vielen sich wiederholenden Gags nicht aufwiegen. Zwar ist die Thematik gerade für kleine Schulkinder sicherlich spannend - schließlich ist Martin schüchtern und hat es in seiner Klasse nicht leicht. Aber auf diese Nöte will der Film gar nicht erst richtig ernsthaft eingehen. Der Schwerpunkt liegt bewusst auf dem Komödiantischen, fast Slapstickhaften. Weniger wäre aber auch hier mehr gewesen.
Eva Maria Schlosser
11.12.2003 - aktualisiert: 11.12.2003 11:48 Uhr