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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 24.12.2003

Shanghai Knights

Ein Bildermann schreibt Geschichte

Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
 

Eigentlich wäre Jackie Chan ein verdammt guter Stummfilm-Schauspieler. Die Slapstick-Szenen, die Kampfchoreografien, die Verfolgungsjagden, die Stunts, die überakzentuierte Mimik und Gestik - all das wurzelt eigentlich in einer Zeit, da der Film aufs Wort verzichten und sich ganz aufs Bild verlassen musste. Chan ist so ein Bildermann. "Shanghai Knights", die Fortsetzung des Western-Ulks "Shang-High Noon", zeugt davon.

In der Tat könnte dieser Film als Stummfilm funktionieren. Die Dialoge sind nur schmückendes Beiwerk, nur Zündhütchen für die Lachsalven, knappe, sloganhafte Kalauer. Auch die Handlung kommt schematisch daher, kompakt und routiniert, jedoch weniger rasant als von der Regie wohl anvisiert. Diesmal reisen Chon Wang (Jackie Chan), ehemaliger Tempelwächter in China und nun Sheriff im Wilden Westen, und Roy O’Bannon (Owen Wilson), Lebemann und Charmeur, von Amerika ins viktorianische England, um dort ein gestohlenes Wahrzeichen des chinesischen Kaisers zurückzuholen. Dabei retten die beiden unter anderem die englische Königsfamilie und werden zu Rittern geschlagen. Chan schreibt Geschichte.

Oben genanntes Wahrzeichen wirkt da wie eine letzte Erinnerung an den asiatischen Jackie Chan, an jenen, der zu den Boomzeiten des Kung-Fu-Films in den 70ern und 80ern vor allem Wörter wie Dragon, Shaolin, Kung Fu oder Ninja in den Filmtiteln führte. Und der immerhin mal von Bruce Lee darselbst durch eine Wand getreten wurde - im Jahre 1971 in "Fist of Fury". Doch Chackie Chan steht heute vor allem für die Hollywood-Komödie. Auch die Asien-Reminiszenzen sind nur mehr exotische Dekoration.

Die Martial-Arts-Einlagen indes bieten weitaus mehr fürs Auge und fürs Zwerchfell als das ganze Zelluloid-Drumherum (was früher auch nicht anders war).

Etwa Chans und Wilsons Kampf gegen eine Londoner Diebesbande, der sie unter anderem mit einem Regenschirm schwer zusetzen. Freunde solch schlagender Verbindungen und Liebhaber leichter Komödien werden somit auf ihre Kosten kommen. Der Rest zahlt drauf.
 

Jörg Scheller

24.12.2003 - aktualisiert: 24.12.2003 10:19 Uhr

 


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