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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 31.12.2003

Das Kettensägen-Massaker

Blutige Folklore

Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
 

Als der Texaner Tobe Hooper einem traditionell gerühmten Backwoodsmen, einem stilechten amerikanischen Hinterwäldler, 1974 eine Kettensäge in die schwielige Hand drückte, um damit missliebige Eindringlinge zu zerlegen, wurde "The Texas Chainsaw Massacre" vom einschlägigen Publikum rasch zum "Kultfilm" hochgelobt, was, aller Ähnlichkeit zum Trotz, nichts mit Kultur zu tun hat. Nicht einmal die ehrbare Zunft der Fleischer würde das behaupten.

Hooper sorgte dafür, dass die Kundschaft seiner Schlächter, arme Würstchen allzumal, selbst durch die Wurstmaschine gedreht wurden. Und während das Blut spritzte, sträubten sich die Nackenhaare der Zuschauer, und sogar abgebrühte Esel bekamen eine Gänsehaut.

Jetzt beschert uns ein Mann namens Marcus Nispel, Deutscher von Geburt und Schöpfer gelackter Werbestrips und Videoclips, die blutige Folklore in Neuauflage. Leatherface, der hässliche, grässliche Artist mit dem schrillen Handwerkszeug, sorgt auf gewohnte Weise dafür, dass Erin und Morgan, Pepper, Andy und Kemper in ihrem klapprigen VW-Bus Dallas und das Konzert von Lynyrd Skynyrd nie erreichen.

Der Streifen ist das widerlichste Stück Film, das ins neue Jahr hinübergerettet wurde - und im Reiche Bushs haben die Kassen schon fröhlich geklingelt!
 

Otto Kuhn

31.12.2003 - aktualisiert: 31.12.2003 10:09 Uhr

 


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