Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 29.01.2004
Open Range - Weites Land
Im Weidekrieg wird hart abgerechnet
Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
Open Range - das ist das freie, offene Weideland, das auch von umherziehenden Rinderherden abgegrast werden kann, zum Missfallen ansässiger Rancher, die Wasser und Weide für sich allein beanspruchen. So ecken Boss Spearman und Charley Waite mächtig an, als sie sich mit ihren Tieren dem kleinen Kaff Harmonville nähern, in dem Denton Baxter das Sagen hat. Sogar Poole, der Sheriff, steht auf Baxters Lohnliste, und er droht den beiden mit Gewalt.
Als der gutmütige Cowboy Mose beim Einkauf von Proviant von Baxters Männern halb totgeschlagen wird, bedeutet das Krieg, denn Boss und Charley Waite sind nicht bereit, sich ohne Widerstand aus der Stadt jagen zu lassen. Die Gewalt eskaliert, und nur der Arzt Dr. Barlow und dessen Schwester Sue sowie der Mietstallbesitzer sind den Fremden freundlich gesinnt.
Weidekrieg ist ein uraltes Thema im amerikanischen Western, in dem das Recht des Stärkeren stets Faustrecht bedeutet und damit Kampf und Kugeln. Kevin Costner, der mit dem Indianerwestern "Der mit dem Wolf tanzt" großen Erfolg hatte, traf auch bei diesem Film, dessen Drehbuch Craig Storper nach einem Roman von Lauran Paines schrieb, eine gute Wahl.
In der Rolle des Charley Waite, eines recht einsilbigen Cowboys mit Vergangenheit, der sich - mitten im Kampfgeschehen - in eine nicht mehr ganz junge Frau verliebt, wird er als Darsteller nur von Robert Duvall übertroffen, der souverän einen Boss abgibt, der niemandem, weder Freund noch Feind, etwas schuldig bleibt - ein echter Kerl, der in sich ruht und mit Faust und Colt dafür sorgt, dass jeder Feind auch seine Ruhe findet.
Mit Annette Benning als Sue Barlow, Diego Luna, Abraham Benrubi und Michael Gambon als Großkotz ist der Film auch sonst ausgezeichnet besetzt.
Einen Fehler nur hat "Open Range": Das knallige Finale, der große Showdown in den Straßen von Harmonville hat wenig von einem Western. Wenn am Ende die Bürger für die fremden Cowboys Partei ergreifen, wird die Abrechnung zu einem kaum noch überschaubaren Gemetzel. Der bis dahin in Stil und Staub traditionelle Western gleicht dann eher einem Eastern, in dem die Boys aus Hongkong für Pulverdampf und Leichenanfall sorgen.
Otto Kuhn
29.01.2004 - aktualisiert: 29.01.2004 14:53 Uhr