Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 30.01.2004
Hodder rettet die Welt
Für Kinder und ihre Eltern
Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
Es hätte der reine Kitsch werden können. "Du bist auserwählt!", raunt eine Fee dem schlafenden Hodder zu. Fortan fühlt sich der Junge dem nächtlichen Auftrag verpflichtet und plant die Errettung der Welt - ein Unterfangen, dessen Schwierigkeit schon bei der Frage beginnt, was überhaupt zu retten und wie die Aktion zu organisieren sei.
Womit bereits die große Qualität des preisgekrönten dänischen Kinderfilms benannt wäre: Dem dänischen Regisseur Henrik Ruben Genz gelingt eine zwingende Verflechtung von Elementen des Märchens mit der ganz normalen Wirklichkeit eines fast ganz normalen Neunjährigen, der in vielen einsamen Stunden eigene fantastische Welten ausspinnt.
Am Ende des Films, der mit spürbarer Liebe, immer wieder mit viel Witz und leiser Ironie gedreht wurde, steht die schöne Utopie, dass sich das Träumen nicht nur lohnt, sondern dass es unabdingbar ist - zwar vielleicht nicht für die Rettung der Welt, wohl jedoch für die Erlösung der Menschen aus nur pragmatischem Tun.
Das weiß sogar jene Bäckereiverkäuferin, die - wie so viele scheinbare Nebenfiguren in diesem Film mit wenigen Strichen fein gezeichnet - ihre Lösung für alle Fälle verkündet: Wer Großes will, muss mit Kleinem beginnen.
Wer weiß, vielleicht ließe sich das ja auch auf die große Menge an qualitativ hoch stehenden und offensiv staatlich geförderten skandinavischen Kinderfilmen übertragen? Womöglich wäre es sinnvoll, dass deren lockere Balance von Unterhaltung und Bildung Anregung böte, manche Verkrustung hier zu Lande aufzubrechen?
"Hodder rettet die Welt" ist sicherlich kein ganz großer, wohl aber ein fantasievoll erdachter, im besten Sinne eigenartiger, gut gespielter Film für Kinder und ihre Eltern, der den Alltag um Fantastisches und das Fantastische um Alltägliches bereichert.
Susanne Benda
30.01.2004 - aktualisiert: 30.01.2004 10:11 Uhr