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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 05.02.2004

School of Rock

Wie man richtig abrockt

Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten
 

Welcher Schüler würde nicht gerne Stromgitarre oder Schlagzeug spielen, statt Mathe oder Latein zu pauken? Zum Beispiel die ernsthaften und schon sehr erwachsenen Zehnjährigen von Dewey Finn (Jack Black). Sie stammen aus gutem Hause, und die Schule ist teuer. Sie sind eher befremdet, als Dewey sie in die Geschichte des Rock ’n’ Roll einführen und ihnen beibringen möchte, wie man richtig abrockt.

Jack Black gibt sehr überzeugend den nicht mehr ganz jungen Mann, der nicht merkt, dass es ihm für wirklich guten Rock an Talent fehlt, der sich aus Geldmangel als Lehrer ausgibt, die Rektorin und die Kollegen täuscht und heimlich mit seiner Zwergenband probt. Das Ziel: am Rockwettbewerb teilzunehmen, bei dem auch seine Ex-Band antritt, die ihn gerade gefeuert hat.

Das klingt nicht nur nach Slapstick. Black zelebriert sich als hüpfender, ausflippender Spinner, dem wirklich gar nichts peinlich ist. Er spielt die perfekte Karikatur eines Möchtegern-Rockers, dessen Leidenschaft aber so stark ist wie sein Fachwissen. In seinem Geschichtsvortrag kommen die wichtigsten Namen vor - von Led Zeppelin über AC/DC bis zu David Bowie - und der Soundtrack bietet die passenden Songs.

Regisseur Richard Linklater hat die richtige Balance gefunden und seinen stark überzogenen Figuren - die überstrenge Rektorin (Joan Cusack) etwa imitiert gerne Stevie Nicks, wenn sie Alkohol getrunken hat - genügend menschliche Tiefe gerettet, um die große Botschaft von Motivation, vom Glauben an die eigenen Fähigkeiten und vom Träumen nicht zu beschädigen.

So amerikanisch das klingt, so genau sollte das Pisa-gebrandmarkte Deutschland hinschauen, denn Dewey tut instinktiv, was manche Schule versäumt: Er fördert die Schüler nach ihren Neigungen, findet unter ihnen Musiker, Sänger, Manager, Organisatoren und einen femininen kleinen Ästheten, der Kostüme schneidert. Entsprechend groß ist der Einsatz der Kinder, die am Ende sogar jene humorlosen Eltern beeindrucken, die Rock ’n’ Roll bislang für die Vorstufe zur Sozialhilfe hielten.
 

Bernd Haasis

05.02.2004 - aktualisiert: 05.02.2004 10:33 Uhr

 


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