Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 27.02.2004
Garage Days
Musikclip der Jugendträume
Freddy (Kick Gurry) ist ein sympathischer Rock-’n’-Roll-Sänger, Träumer und Loser, Bassistin Tanya aus reichem Elternhaus ausgebrochen, Gitarrist Joe latent schizophren, Manager Bruno unfähig und Altrocker Kevin der Einzige, der an die Band glaubt. Dass das seinen Grund hat, zeigt Regisseur Alex Proyas, indem er bis zum Finale keine Musik der Gruppe spielt, sondern einen gemischten Soundtrack.
Der Nachteil: Die Band im Film ist kaum mit Instrumenten zu sehen, sondern nur in Beziehungen und deren Krisen. Der Rock ’n’ Roll ist also nur bunte Oberfläche, in Wahrheit geht es um nette junge Leute in einem warmherzigen Coming-of-Age-Film. Große Gefühle, Freundschaft, Liebe, Loyalität - das verlangt große Bilder.
Doch Proyas hat seine langjährige Erfahrung als Musikclip-Regisseur ausgespielt. Er setzt auf Knalleffekte und Werbeästhetik, lässt Pillen in Zeitlupe fallen und liebt schnelle Schnitte, zeigt Filme im Kopf seiner Figuren. Solche Szenen werden bei kleinen Filmen erkauft, indem an anderen Stellen gespart wird. Bei Proyas sind es oft jene, die mehr hätten sein können als bunte Oberfläche. Freddy stellt sich beim Sex vor, er sei der AC/DC-Sänger Bon Scott, landet später aber als Angus-Young-Abziehbild in einer abgehalfterten Coverband - ein großes Bild, durch lustloses Abfilmen verschenkt.
Dass der Widerspruch zwischen Machart und Inhalt den Film nicht ruiniert, liegt am Charme der jungen Schauspieler. Herrlich unverbraucht zeigen sie, wie dramatisch Jugendträume und Erwachsenwerden aufeinander prallen. Und dass das Leben trotzdem weitergeht.
Bernd Haasis
27.02.2004 - aktualisiert: 27.02.2004 12:02 Uhr