Die richtige Mischung aus Auftritt und Kunst macht Schauspieler zu Stars. Halle Berry hat in dieser Disziplin ein Paradestück geliefert. Erst war sie in dem Drama "Monster’s Ball" zu sehen, das ihr als erster schwarzer Frau den Oscar für die beste Hauptrolle brachte, dann mit einem Bikini bewaffnet als souveränes Bondgirl Jinx. In ihrem neuen Film "Gothika" spielt Halle Berry eine Psychiaterin, die sich plötzlich selbst in der Zwangsjacke wieder findet. Alexander Soyez hat Halle Berry zum Interview getroffen.
Miss Berry, wo steht Ihr Oscar?
Mal hier, mal dort. Abhängig von meiner Stimmung. Ich habe noch keinen richtigen Platz für ihn gefunden.
Hat sich Ihr Leben dadurch verändert?Ich bin auf der ganzen Welt seitdem sehr viel bekannter, und in Hollywood werde ich mit mehr Respekt behandelt. Aber ich stehe genauso noch an jedem Morgen auf und muss um gute Rollen kämpfen. Das müssen alle Schauspieler tun, egal, ob sie einen Oscar bekommen haben oder nicht.
In Ihrem Fall war der Oscar auch eine symbolische Auszeichnung - fühlen Sie sich als Aushängeschild der Afroamerikaner?Es fühlte sich merkwürdig an. Zuallererst bin ich ein Mensch, eine Frau, und erst danach sehe ich mich als Schwarze. In dem Augenblick, als mir der Oscar überreicht wurde, war mir das aber schon sehr bewusst, dass ich diesen Preis als auch als erste Schwarze gewinne.
In "Gothika" spielen Sie nun eine Gefängnispsychiaterin. Wie stehen Sie selbst zum Thema Therapie?Ich bin damit aufgewachsen, denn meine Mutter war Krankenschwester in einer Nervenheilanstalt. Sie schickte mich zu einem Psychologen, als ich zehn Jahre alt war. Ich hatte keinen guten Vater. Er beschimpfte mich oft, und meine Mutter glaubte, dass es gut wäre, mit jemanden zu sprechen. Das hat mir geholfen, all den Wahnsinn zu Hause zu verstehen. Seitdem habe ich immer wieder psychologische Hilfe geholt. Ich gehe nicht ständig zur Therapie, aber wenn eine Situation eintritt, mit der ich allein nicht mehr fertig werde, habe ich kein Problem damit. Das ist nicht anders, als wenn man mal laut denkt, seine Gedanken sortiert und einen Blick auf sich selbst wirft.
Bringen Ihnen solche Besuche auch als Schauspielerin etwas?Als Mensch hilft es mir. Dadurch kann ich bestimmte Emotionen, Verhaltenweisen und Charaktereigenschaften besser einschätzen, die ich abrufen muss, wenn ich arbeite. Ich empfinde das wie eine große Sammlung von Gefühlen.
Im Sommer wird man Sie als "Catwoman" sehen können. Womit darf man rechnen?Catwoman ist zeitgemäßer angelegt, sie entspricht mehr der Popkultur von heute. Auf jeden Fall ist das Kostüm bequemer, und dafür muss ich mich bei Michelle Pfeiffer bedanken, meiner Vorgängerin in der Rolle, die sich damals so eindringlich über ihre Kostümtortur beschwert hat.
Sie zählen zu schönsten Frauen der Welt. Wie gehen Sie mit den ständigen Komplimenten um?Ich weiß nie genau, wie ich das verstehen soll. Was ist damit gemeint, wenn jemand als schön oder sexy bezeichnet wird? Jeder empfindet das doch anders. Außerdem habe ich immer ein bisschen das Gefühl, die Leute denken, ich sei nur deswegen erfolgreich. Deshalb kann ich es nicht unbeschwert genießen.