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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 01.04.2004

Jazzclub

Viel Pause, viel Improvisation

Keiner zelebriert das gewisse Nichts so virtuos wie er: Ob als "singende Herrentorte" oder als "Katzeklo"-Barde - an Helge Schneider scheiden sich die Geister. Für die einen ist es Dada, für die anderen die langweiligste Pop-Praline der Welt. So wird es auch mit seinem jüngste Kinostreich sein, der für Helgeianer ein absoluter Glücksfall ist. Nach Western ("Doc Snyder") und Krimi ("00 Schneider") folgt nun ein "Heimatjazzfilm", wie der Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller selbst sagt.

Wie der Jazz lebt der Film von Pause und Improvisation. Genauer: sehr viel Pause und noch mehr Improvisation. Gleich zu Beginn wartet Held Helge warnend einfach mal nur so an einer Haltestelle. Passiert nichts. Macht nichts. Sein Titelsong läuft ja derweil. Die Filmfigur Teddy ist ein begeisterter Jazzmusiker, der wegen seiner anspruchsvollen Frau als Fischverkäufer, Zeitungsausträger, Vorleser für Rentner und Gigolo mit spanischem Akzent arbeiten muss.

Minimalistische Handlung, keine Action, keine schnellen Schnitte, keine Drei-Akt-Dramaturgie, dafür nasse Zeitungen, mühsam in Briefkästen gestopft, und Musikeinlagen im Jazzclub. "Einkaufen ist Zehnkaufen weniger Neunkaufen", sagt Helge, oder: "Ich trink keinen Tee. Ich bin A-tee-ist." Zum Schluss landen lustige Außerirdische mit Udo Lindenberg als Ober-Alien, natürlich verkörpert von Helge höchstpersönlich.

Die einen werden den Film voll verjazzt finden, die anderen voll vergeigt. Originell ist er auf alle Fälle.
 

Dieter Oßwald

01.04.2004 - aktualisiert: 01.04.2004 10:28 Uhr

 


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